Alte Landwehr (Aurich)

Ausgewählter Flurname:

Alte Landwehr


Gemarkung:

Aurich

Erfassungen:

Befragung (ca. 1980),
Deutsche Grundkarte

Alte Landwehr (Aurich)


Erklärung des Flurnamens:

Eine Landwehr ist eine „Wegesperre, die einen unbewachten Zugang in ein bestimmtes Gebiet verhinderte“. Die Landwehr von Aurich wurde während des Dreißigjährigen Krieges, im Jahr 1644, zum Schutz der Stadt vor dem Eindringen hessischer Truppen errichtet.
Die Hessen befanden sich seit 1637 in Ostfriesland. Sie waren dort auf Initiative der Niederlande und gegen den Willen des Grafen Ulrich II. zum Schutz des Rheins und der niederländischen Handelswege einquartiert worden. Diese Einquartierung, die über den ursprünglich dafür vorgesehenen Zeitraum hinaus ausgedehnt wurde, war für Ostfriesland eine große Belastung. 1644 kam es zu Kämpfen zwischen hessischen und einheimischen Truppen, in denen die Ostfriesen unterlagen. Nur der Tod des hessischen Oberbefehlshabers bewahrte Aurich vor dem Eindringen der Hessen. Hessische Truppen blieben bis 1650, also noch nach dem Westfälischen Frieden, in Ostfriesland.
Die Alte Landwehr begann am nördlichen Stadtgraben, verlief entlang der alten Stadtgrenze bis zum Wallster Weg, an diesem entlang bis zur Emder Straße, über diese hinweg zum Extumer Weg und danach zur Georgstraße, über diese Straße hinweg und anschließend in einem Bogen über die Julianenburger Straße bis an den äußeren Burggraben. Sie bestand aus Wällen, tiefen Wassergräben sowie Laufgräben und war mit Redouten versehen.
Die Alte Landwehr hatte zwischen dem Finkenburger Weg und dem Wallster Weg doppelte Wälle mit drei Redouten. Vorhanden war auch ein Laufgraben in der Breite von fünf Metern. An der Ecke Extumer Weg befand sich vermutlich ebenfalls eine Redoute. Dies ist aus dem Verlauf der Grundstücksgrenzen von 1869 ersichtlich. Auch auf der Georgstraße bei der Stiftsmühle befand sich wahrscheinlich eine Redoute. (Katasteramt Aurich, Urkarte Flur 1, 1869; Katasteramt Aurich, Urkarte Flur 10, 1869)


Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. Landwehr

(1) mnd. lantwēre, f., „Außenbefestigung zum Schutz eines Gebietes, meist aus einem Erdwall mit Graben bestehend und mit Buschwerk oder kleinem Holz bewachsen, zum Schutz einer Territoriumsgrenze, auch eines Dorfes, besonders des Landgebietes einer Stadt“



Quellen:

(1) Scheuermann, Ulrich, Flurnamenforschung. Bausteine zur Heimat- und Regionalgeschichte, Melle 1995, S. 134
(2) Engelmann, Johannes, Die mittelalterlichen Schanzen Brockzetel und Meerhusen, die Landwehr im Westen der Stadt Aurich, in: Ostfriesland - Zeitschrift für Kultur, Wirtschaft und Verkehr, 1972, 3, S. 8-11


Links:

https://de.wikipedia.org/wiki/Ostfriesland_zur_Zeit_des_Drei%C3%9Figj%C3%A4hrigen_Krieges (10.06.2018)

Autor(in):

Ibbeken, Cornelia


Letzte Änderung am: 11.06.2018

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