Doodpaal (Baltrum)

Ausgewählter Flurname:

Doodpaal


Gemarkung:

Baltrum

Erfassungen:

Befragung (ca. 1980),
Deutsche Grundkarte

Doodpaal (Baltrum)


Erklärung des Flurnamens:

In den Dünen östlich des Ostdorfes und westlich des Klärwerks befindet sich das Grabmal des holländischen Kapitäns Henderik Dirks de Boer, genannt Jan de Boer, der 1849 vor Baltrum strandete und wenige Tage später verstarb. Hier bestatteten die Baltrumer im 19. Jh. fremde, angespülte Tote sowie auch de Boer, der sich, der Sage nach, abfällig über die Insel geäußert hatte.

Der hölzerne "Totenpfahl" steht heute im Baltrumer Heimatmuseum und wurde durch ein steinernes Grabmal ersetzt.

Die Sage berichtet, dass der holländische Kapitän Jan de Boer mit seiner Tjalk im Wattenmeer vor Baltrum auf Grund geriet. Um den Proviant – Weißbrot und Genever – aufzustocken, wurde an Land gegangen. Aber die Holländer erhielten von den Insulanern nur Schwarzbrot und Milch. „Gottsverdorri, up dat Eiland mugg ik neet begraven wesen“, schimpfte da der Kapitän, „auf dieser Insel möcht ich nicht begraben sein“.

Doch das Schicksal wollte es vorerst anders: entweder auf dieser oder auf einer folgenden Reise verstarb Jan de Boer, als sein Schiff vor Baltrum trocken lag. Auf dem Baltrumer Friedhof sollte dieser lästerliche Kapitän aber nicht ruhen dürfen, deshalb wurde er weitab in den Dünen begraben. - Möglicherweise starb de Boer auch an Cholera, so dass dies der Grund für das abgelegene Dünengrab ist.

Bei Bodenarbeiten in den 1930er Jahren wurde dort ein Skelett gefunden, bei dem es sich wahrscheinlich um das de Boers handelte. Dieses Skelett wurde einer rheinischen Universität zur Verfügung gestellt. Auf diese makabre Art und Weise ist sein letzter Wunsch, nicht auf Baltrum begraben zu sein, sogar in Erfüllung gegangen.


Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. Dood; dood

niederdt.: Tod; tot



2. Paal, Pahl

mnd. pâl, „Pfahl“, „bes. der Grenzpfahl“



Quellen:

Byl, Jürgen/Brückmann, Elke, Ostfriesische Wörterbuch, Plattdeutsch/Hochdeutsch, Leer 1992, S. 35.
Schiller, Carl/Lübben, August, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, Bremen 1875-1880, Bd. 3, S. 293.
Canzler, Gerhard, Baltrum, Aurich 1986, S. 119; Gansohr-Meinel, Heidi, Baltrum - Eine kleine Insel und ihre Bewohner, Baltrum 2001, S. 186-191.


Links:

www.balteringe.de/seemannsgrab.php (09.06.2015)

Autor(in):

Almuth Heinze-Joost


Letzte Änderung am: 10.06.2015

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