Gasthushelmer (Georgsfeld)

Ausgewählter Flurname:

Gasthushelmer


Gemarkung:

Georgsfeld

Erfassungen:

Deutsche Grundkarte,
Preußische Grundsteuervermessung (ca.1870)

Gasthushelmer (Georgsfeld)


Erklärung des Flurnamens:

Gasthus Helmer bezeichnet einen Weg, der parallel zur Kreisstraße 141, Moordorferstraße, von Moordorf nach Tannenhausen führt.

Dieser Flurname scheint sehr alt zu sein. Nach der Gründung Georgsfelds 1846 blieben die Kolonisten noch 50 Jahre in Not und Elend ohne Entwässerung auf oder vor dem Königlichen Hochmoor sich selbst überlassen. Viele waren auf die Hilfe der Armenverwaltung in Aurich, der sie durch das Urbarmachungsedikt von 1765 zufielen, angewiesen. Somit fiel auch der Besitz der Kolonisten, die über Jahre die Hilfe der Armenanstalt beanspruchten, der Armenverwaltung zu. In der Umgebung von Georgsfeld besaß die Armenverwaltung zu der damaligen Zeit sehr viele Ländereien. So befanden sich in Tannenhausen sämliche Ländereien, auf denen sich heute Enercon befindet, um 1850 im Besitz der Armenverwaltung Aurich.
-Staatliche Moorkolonien Nord-Westlich von Aurich/ Rep. 220/44 Nr. 49, S. 57-
Von den Einnahmen aus solchen und anderen eigenen Landverpachtungen wurden u. a. auch die damaligen „Gasthäuser“ der Armenanstalt unterhalten. Diese muss man sich heute in der Funktion einer „Herberge für arme Menschen" vorstellen.
Auch der Name Helmer ist uralt und beschreibt einen Seitenweg, der ins Moor führt.


Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. Gasthus

mnd. gasthûs, n., „ein Haus zur Aufnahme Fremder [und] zur Aufnahme Armer und Kranker“; nnd. gasthûs, „Armenhaus“



2. Helmer

mnd. helmendere, helmer, „Helmer, ein noch im Oldenb. u. Ostfriesland übliches Wort, zur Bezeichnung eines Seiten-, Quer- oder Nebenweges, der vom Hauptwege zum Deiche oder Moore führt.“



Quellen:

Schiller, Karl/Lübben, August, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, Bremen 1875-1880, Bd. 2, S. 17; Doornkaat Koolman, Jan ten, Wörterbuch der ostfriesischen Sprache, Norden 1879 bis 1884, Bd. 1, S. 595
Schiller, Karl/Lübben, August, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, Bremen 1875-1880, Bd. 2, S. 233


Autor(in):

Christine Günnel


Letzte Änderung am: 13.04.2015

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