Rüske Wall (Hatshausen)

Ausgewählter Flurname:

Rüske Wall


Gemarkung:

Hatshausen

Erfassungen:

Befragung (ca. 1980),
Regemort (ca. 1670)

Rüske Wall (Hatshausen)


Erklärung des Flurnamens:

Dieser Flurname bezieht sich nicht, wie irrtümlich angenommen, auf einen mit „Reeth“ bewachsenen Wall oder eine Uferkante/Böschung des Fehntjer Tiefs, sondern auf einen ehemaligen Flachmoorsee, durch den das Fehntjer Tief floss. Durch die stetige Wasserbewegung ist dieser See nicht verlandet, im Gegensatz zu vielen anderen kleineren Meeren in der Hatshauser Niederung. Durch den allmählichen Ausbau des Fehntjer Tiefs, der bereits um 1662 mit den Ansiedlungen der Fehnanlagen wie z.B. Großefehn begann, wurde der Landsee immer mehr zum Fluß. Die Bezeichnung „Rüschke Waal“ findet bereits in einer Karte von 1670 Erwähnung. Noch heute ist in diesem Bereich das Fehntjer Tief auffällig breit.
Beim Bau der Hatshauser Brücke um 1860 führte der moorige Untergrund gerade in diesem Bereich zu erheblichen Schwierigkeiten. Der Uferbereich war zu dargig, um die Brückenpfeiler zu bauen. So entschloss man sich, die Brücke, leicht versetzt auf einer Wiese im Trockenen zu bauen und anschließend das Fehntjer Tief unter diese neue Brücke zu verlegen.
Der Name deutet jedoch auf eine mit Reet bewachsene Uferböschung dieses Sees hin.




Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. Rüske

niederd. rusch, Binse; mnd. risch, "Schilf, Sumpf-Binse"; nnd. Risch, Rusch, "Binse, Schilf"



2. Wall

afries. wal; Küste, Ufer, das feste Land; faste Wall: Festland



Quellen:

Doornkaat Koolman, Jan ten, Wörterbuch der ostfriesischen Sprache, Norden 1879 bis 1884, Bd. 3, S. 75; Scheuermann, Ulrich, Flurnamenforschung. Bausteine zur Heimat- und Regionalgeschichte, Melle 1995, S. 143
Stürenburg, Cirk Heinrich, Ostfriesisches Wörterbuch, Nachdruck der Ausgabe Aurich 1857, Leer 1996, S. 322
Chronik: „Timberlae-Timmel“, Herausgegeben vom Dorfverein "Uns Timmel e.V.", Seite 82; Print Media Wiesmoor, 2011
Staatsarchiv Aurich; Rep. 244, B 1395; Rep. 244, B 139s
Uphoff, Bernhard, „Vom Schloot zur See“, in: „Heimatkunde und Heimatgeschichte“, ON Sept. 1999


Autor(in):

Torsten Manssen


Letzte Änderung am: 07.04.2015

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