Wüstung Kloster Barthe (Hesel (Hesel))

Ausgewählter Flurname:

Wüstung Kloster Barthe
( Oll Kloster Barthe, Nunnenbarg )

Gemarkung:

Hesel (Hesel)

Erfassungen:

Deutsche Grundkarte

Wüstung Kloster Barthe (Hesel (Hesel))


Erklärung des Flurnamens:

Barthe als ehemaliges Prämonstratenserinnenkloster, etwa 2,5 km nordöstlich des Dorfes Hesel, ist 1204 erstmals erwähnt worden. Das Kloster wurde abseits des Heerweges in einer "inselartigen Lage" errichtet. Auf eine anfangs erbauten Holzkirche folgte eine Backsteinkirche. Daran schloss sich eine vierflügelige Klosteranlage an. Nach der Niederlegung des Klosters im Zuge der Reformation entwickelte sich ein gräfliches Gut mit einem Doppelpachthof. Die Extensivierung der Tierhaltung, insbesondere der Schafhaltung und der damals üblichen Plaggenwirtschaft, führte seit Beginn der Neuzeit zu einer Devastierung (= Verwüstung) der sandigen Höhen rund um das Kloster, die zur Aufgabe des Hofes führen musste. (4)

Mit dem früheren Kloster verbindet sich folgende geheimnisvolle Sage:

Seit dem Abriss der Klosteranlage sah man immer um die Mittagszeit eine Frau, die ihren Körper, insbesondere ihr Gesicht, mit einem Umhang verhüllt hatte. Man glaubte, eine ehemalige Nonne des Klosters vor sich zu haben.
Eines Tages erblickte ein Waldarbeiter diese verhüllte Gestalt, sprach sie an, blieb aber ohne Antwort. Daraufhin nahm er einen Tannenzapfen und warf nach ihr, doch der Zapfen flog nicht auf die Gestalt, sondern flog auf ihn zurück und traf dabei seine Nase, die stark zu bluten begann. Von der vermeintlichen Nonne war danach nichts mehr zu sehen. (5)


Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. Wüstung

(1) mnd. wôsteninge, -unge, „f. Wüstung, Wüstenei“; „verlassene Siedlungsstätte oder aufgegebenes, ehemals landwirtschaftlich genutztes Gebiet".



2. Kloster

(2) lat. claustrum, nnd. klôster, „Kloster, abgeschlossenes festes Haus, worin Mönche und Nonnen abgeschieden von der Welt leben“"; „oft Hinweis auf Klosterbesitz (Vorwerke); manchmal (scherzhafter) Hinweis auf eine einsame Lage“



3. Barthe

(3) Vermutlich bezogen auf "Birgithi", weitere Bezeichnungen: 1380 "in Bertha", 1475 "Monachi in Berthe", 1645 "Barte", 1719 "Closter Barthe", wahrscheinlich eine Ableitung von "Berg" mit der Bedeutung "Hügelgebiet".



Quellen:

(1) Schiller, Karl/Lübben, August, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, Bremen 1875-1880, Bd. 5, S. 774; Brockhaus - die Enzyklopädie in vierundzwanzig Bänden, 20. Auflage, 1796 – 1996
(2) Doornkaat Koolman, Jan ten, Wörterbuch der ostfriesischen Sprache, Norden 1879 bis 1884, Bd. 2, S. 280; Remmers, Arend, Von Aaltukerei bis Zwischenmooren. Die Siedlungsnamen zwischen Dollart und Jade, Leer 2004, S. 266
(3) Remmers, Arend, Von Aaltukerei bis Zwischenmooren. Die Siedlungsnamen zwischen Dollart und Jade, Leer 2004, S. 30, 266; OUB 1389/Nr. 149, 1454/ Nr. 669; Bärenfänger, Rolf, Die ostfriesischen Klöster aus archäologischer Sicht, in: Ostfriesland -Geschichte und Gestalt einer Kulturlandschaft, Aurich 1996, S. 249
(4) Weßels, Paul, Barthe- Beiträge zur Geschichte des ostfriesischen Geestortes Hesel, Norden 1997
(5) Siefkes, Wilhelmine, Ostfriesische Sagen und sagenhafte Geschichten, neu gesammelt, Aurich 1963, S.146,147; Jurjen van der Kooi / Schuster, Theo, Die Frau, die verlorenging - Sagen aus Ostfriesland, Leer 2003, S. 28


Autor(in):

Dr. Karl- Heinz Frees


Letzte Änderung am: 28.10.2015

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