Iheringsfehn (Jheringsfehn)

Ausgewählter Flurname:

Iheringsfehn


Gemarkung:

Jheringsfehn

Erfassungen:

Hannoversche Grundsteuervermessung (ca. 1830),
Befragung (ca. 1980),
Deutsche Grundkarte,
Preußische Grundsteuervermessung (ca. 1870)

Iheringsfehn (Jheringsfehn)


Erklärung des Flurnamens:

Iheringsfehn wurde nach dem Regierungsdirektor Sebastian Ihering (1700-1759) benannt, der sich um die Erschließung der Moorgebiete verdient gemacht hat und sich besonders für die Fehnkultur eingesetzt hat. Bei der Fehnkultur als Verfahren zur Kultivierung von Moorflächen wurde zur Anlage eines Fehns zuerst das Moor planvoll in langwierigen Hand-Arbeitsschritten oberflächlich entwässert. Dann wurde ein Kanal angelegt. Dazu wurde das Moor in dem Bereich zuerst abgetorft und dann wurde der Kanal zur Entwässerung und als Transportweg gegraben. Von diesem Kanal aus wurden dann seitlich in gleicher Weise weitere Kanäle ins Moor hinein angelegt. Diese Seitenkanäle werden Inwieken genannt. Von den Wieken ausgehend wurden Landstreifen an Kolonisten als Untererbpächter ausgegeben.
1660 erwarb der Deichkommissar Harsebroek in Erbpacht einen Streifen Moorgebiet, das Hook, zwischen den Fehnen Boekzetelerfehn und Neuefehn. Ein Kanal, der heutige Jheringsfehn-Hauptkanal, wurde von hier aus ins Moor vorangetrieben. Der heutige Fahrweg längs des Kanals, der Wieke, heißt Hookswieke, ebenso, wie die anderen Wege/Straßen längs der Kanäle heute deren Namen tragen.
Wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten wurde das Hook 1754 von der Familie Jhering in Erbpacht übernommen, ab 1770 wird das Fehn als Jheringsfehn bezeichnet. Die Familie Jhering zeigte über mehrere Generationen in den nächsten Jahrzehnten großes Geschick im Ausbau und im Betreiben des Fehns und in dessen Erweiterung insbesondere mit der Anlage und dem Ausbau weiterer Wieken.
Von der Hookswieke ging der gesamte Verkehr über das Boekzeteler Meer und weiter über das Fehntjer Tief in Richtung Emden. Als Wirtschaftsgut lieferte das Fehn Torf als Brennmaterial nach Emden, auf dem Rückweg wurden als Dünger geeignete Materialien zur Verbesserung der Bodenqualität ins Fehn gebracht, ebenso alle anderen Güter. Der Torfhandel war starken Schwankungen unterlegen, denen die Fehntjer ausgeliefert waren. Dies hatte erhebliche wirtschaftliche Folgen. Da das Fehn nicht alle Bewohner ernähren konnte, der Schiffsverkehr aber ein zentrales Element des Alltags war, verdiente ein erheblicher Teil der Familien den Lebensunterhalt auf Binnen- und Seeschiffen. An diesen Bezug zur Seefahrt erinnern Bojen und Takelmast an der Westerwieke und zahlreiche Grabinschriften auf den Friedhöfen an der Hookswieke und bei der Kirche.
Um die Hookswieke entstand ein Siedlungsgebiet, das Hook. Hier wurde 1770 zunächst eine Schleuse gebaut, eine Mühle, eine Schule, und ein Friedhof kamen hinzu. Weiter südlich entstand ausgehend von einem von Boekzetel aus angelegten Kanal eine zweite Siedlung, die Beek. Als Jheringsfehn I und Jheringsfehn II bezeichnet, gab es daher zwei Schulbezirke, deren Grenze an der heutigen Georgswieke verlief. Diese Trennung der Ortsteile verdeutlicht, wie schlecht die Wegverhältnisse innerhalb des Jheringsfehns waren. Auch die Wieken waren ein erhebliches Hindernis für das Fortkommen auf dem Landweg, wobei Brücken oder Stege für die lebensnotwendige Schifffahrt auf den Wieken hinderlich waren. Die Anbindung Jheringsfehns nach außerhalb über eine Fahrstraße entstand erst Anfang des 20. Jhd.
Innerhalb weniger Generationen ist so aus einer unwirtlichen Moorlandschaft, die von den Jherings als Fehn kultiviert wurde, der Ort Jheringsfehn entstanden. In der Struktur des Ortes mit den Kanälen und der daran aufgereihten Bebauung ist die Eigentümlichkeit dieser Kulturlandschaft, des Fehns, erhalten geblieben.


Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. Jhering

Familienname der Erbpächter des als Jheringsfehn bezeichneten Moorgebietes



2. Fehn

„Altfries. fane, fan, fen m. n. bedeutet „Moor, Moorland““; „eine planmäßig angelegte Moorcolonie mit Torfgräbereien, u. […] einem schiffbaren Kanal.“



Quellen:

Bibliographisches Lexikon für Ostfriesland III, Aurich 2001, S. 220-224
Remmers, Arend, Mittelalterliche Flurnamen in Ostfriesland, Online-Veröffentlichung, Aurich 2011, S. 20; Stürenburg, Cirk Heinrich, Ostfriesisches Wörterbuch, Nachdruck der Ausgabe Aurich 1857, Leer 1996, S. 52
Freese, Johann Conrad, Über die Vehne oder Torfgräbereien, Aurich 1789, S. 8, 21, 30, 96, 100, 106, 108
Arends, Fridrich, Erdbeschreibung des Fürstenthums Ostfriesland und des Harlingerlandes, Emden 1824, S. 145
E. Stumpfe, Die Besiedelung der deutschen Moore, Leipzig und Berlin 1903, S 187
Korte, Hermann, Die Entwicklung der ostfriesischen Moorkultur, Aurich 1930, S. 6 ff
H. Schoon, Aus der Geschichte Jheringsfehns, in: Heimatkunde und Heimatgeschichte, Beilage zu: Ostfriesische Nachrichten vom 03. August 1930, S. 53 ff
Wiechers, Karl-Heinz, "..und fuhren weit übers Meer", Bd. III, Die Fehne, Norden 1997


Autor(in):

Dr. Joachim Pfaff


Letzte Änderung am: 28.04.2018

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