Helsmuhder Riede (Münkeboe)

Ausgewählter Flurname:

Helsmuhder Riede


Gemarkung:

Münkeboe

Erfassungen:

Hannoversche Grundsteuervermessung (ca.1830)

Helsmuhder Riede (Münkeboe)


Erklärung des Flurnamens:

"Helsmuhder Riede" ist die alte Bezeichnung für den heutigen Helsmuhder Schloot. In unmittelbarer Nachbarschaft wurde Ende des 19. Jahrhunderts dort der in den Ringkanal übergehende Ringschloot gegraben. Während das überschüssige Wasser des Ringkanals über den Emder Binnenhafen die Nordsee erreicht, wird das Wasser aus dem Helsmuhder Schloot bei Greetsiel in die Nordsee geleitet.

Als "de Weg so dohr dat lege geiht" wird der spätere Helsmuhder Weg im Vertrag der Interessenten Engerhover Karspel vom 9. April 1518 beschrieben. Die Helsmuhde, die sich "südlich der Nordmeers Riede" (heute Helsmuhder Riede und Alt-Münkeboer Schloot) befindet, war eine tiefer gelegene Stelle im vor über 500 Jahren dort vorhandenen Hochmoorgebietes. Die Helsmuhde liegt nördlich der beiden höher gelegenen, sandigen Heideflächen "In der Gaste" und "Harkenhooge".

Als "Helle" bezeichnet Ulrich Scheuermann eine Vertiefung, eine "Muhde" ist nach Karl Schiller/August Lübben eine Mündung oder ein Wasserausfluss. Danach könnte der Flurname "Helsmuhde" im Zusammenhang mit dem dort damals vorhandenen Nordmeer entstanden sein.


Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. Muhde

afries. mutha, mnd. mude, müde, mue, munde, "Mündung eines Flusses"; nnd. mûde, mûe, mû, "Mündung, Auswässerungsstelle, Wasserausfluss od. Wasserdurchlass"



2. Helle

mnd. helde, "Abhang, Halde". 2. mnd. hele f., "Hölle; übertr. von Flurnamen: tief eingeschnittener Grund", nnd. Helle, Hölle, f. "Helle Ortsname, der an tiefen Abgünden haftet". "Hölle ist aber mit Helle nicht zu verwechseln und vielmehr als Höhle, Vertiefung, Einsenkung des Bodens, caverna, zu erklären.



3. Riede

mnd. Ride, rie, rige, f., „Bach, kleiner Wasserlauf, Graben“, nnd. Riede, Riehe, f., „kleiner Wasserlauf, Rinnsal, sowie die von ihm durchflossene Niederung.“



Quellen:

Schiller, Karl/Lübben, August, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, Bremen 1875-1880, Bd. 3, S. 131, 133; Doornkaat Koolmann, Jan ten, Wörterbuch der ostfriesischen Sprache, Norden 1879 bis 1884, Bd. 2, S. 621
Scheuermann, Ulrich, Flurnamenforschung, Bausteine zur Heimat- und Regionalgeschichte, Melle 1995, S. 125
Scheuermann, Ulrich, Flurnamenforschung, Bausteine zur Heimat- und Regionalgeschichte, Melle 1995, S. 142
Wilken, Martin, Münkeboe und Moorhusen in Südbrookmerland, ihre Entstehung, Entwicklung und Bebauung, Münkeboe 1986
Niedersächsisches Staatsarchiv Aurich, Rep. 6 Nr. 507, Bl. 35-37


Autor(in):

Gerken, Theo


Letzte Änderung am: 18.05.2017

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