Zwischen Rüskweg und Hoddelke Dwasweg (Münkeboe)

Ausgewählter Flurname:

Zwischen Rüskweg und Hoddelke Dwasweg


Gemarkung:

Münkeboe

Erfassungen:

Hannoversche Grundsteuervermessung (ca.1830)

Zwischen Rüskweg und Hoddelke Dwasweg (Münkeboe)


Erklärung des Flurnamens:

Das Gebiet "zwischen Rüskweg und Hoddelke Dwasweg" befindet sich zwischen der heutigen Schulstraße (Hoddelke Dwasweg) und der Mühlenstraße (Rüskweg) in Münkeboe.

Rüskweg:
Der heutige Rüskeweg beginnt an der Einmündung in die tom-Brook-Straße (K118) in Moorhusen und endet an der Kreuzung mit der Upender Straße im Zentrum von Münkeboe. In den Unterlagen der Kirchengemeinde Engerhafe und den Publikationen von Martin Wilken (Münkeboe und Moorhusen in Südbrookmerland, ihre Entstehung, Entwicklung und Bebauung, Münkeboe 1986) finden sich keine Hinweise auf den Namen dieses Weges, der erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einer Straße ausgebaut wurde.

Binsen bevorzugen feuchte bis nasse, zum Teil überflutete Standorte in Feuchtgebieten, an Gewässern, in Mooren, Feuchtwiesen und in Sümpfen.

Wahrscheinlich waren die in dem damals schlecht entwässerten Bereich wachsenden Binsen (plattdeutsch: Rüsken) für die Namensgebung entscheidend. Das würde auch zu den Erklärungen von Karl Schiller, August Lübben und Jan ten Doornkaat Koolman passen.

Hoddelke Dwasweg:
Der frühere Hoddelke Dwasweg verlief quer vor dem Gebiet Hoddelke, etwa in der Höhe der heutigen Schulstraße.

Hoddelke liegt im östlichen Bereich der Gemarkung Münkeboe. Es handelt sich dabei ein ehemals großes Hochmoorgebiet, das sich von Münkeboe bis in den Bereich des Ewigen Meeres erstreckte. Durch den Hoddelke Zugschloot wurde das Gebiet entwässert, heute wird das Gewässer als Alt-Münkeboer Schloot bezeichnet.

"Eindeutig ist die geografische Lage dieser Flur, mehrdeutig dagegen die Bedeutung des Namens. Ob es sich bei "Hoddelke" um "kleine Lumpen", im übertragenen Sinne handelt, sog. Lumpenpack, ob es sich um schwer zu bearbeitende, dreckige Fluren handelte, um strittiges Land oder um Hader während des Dreißigjährigen Krieges, ist unklar. Denkbar ist auch, daß sich Hoddelke von "Hut, behüten" ableitet und es sich um "Land, auf dem man etwas (-Vieh-) hütet" handelt. (Laur)." (Almuth Heinze-Joost, Östlich von Hoddelke/Berumerfehn)

Auf einer Skizze der "Gegend hinter Upende" von 1500 ist der Flurname Hoddelke bereits verzeichnet. Es wird erwähnt, dass "das abgegrabene Leegmoor als Viehweide genutzt wurde". (6)




Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. Rüsk

(1) mnd. rusch, Binse, Schilfrohr; nnd. Rüske, „Binse“



2. Hoddel

(2) Hoddel, höddel, m., bei Luther in der Bedeutung von "Lumpen" (auch bildlich), etymologisch von "hader", das zwei Bedeutungen hat: 1. schwerer Streit, Zank, 2. "abgerissenes stück zeug, fetzen, lumpen", mhd. hader; (Wörterbuch Grimm) - Nach niederländ. Etymol. "hoddel (hoddelke, hoddele)": vod (dt.: Lumpen, Dreck), lomp (dt.: ungeschickt, grob, plump); Hoddel: "alter Lappen" im rheinländ. Dialekt (K.-H. Schumacher); "Huddel": Streit, Ärger im saarländ. Dialekt (A. Heinze-Joost)



3. Hode

(3) mnd. hode, hude, hote, f., „1. Hut, Bewachung, Aufsicht“; „2. Hütung, Ort, wo man etwas hütet.“ – Auch: „Bezeichnung für eine kleine, spitzwinklige Fläche“.



4. -ke

(4) „Diminutiv-Endung = nhd. chen, auch jen, je u. tjen, tje



5. dwas

(5) nd. dwer, dwers, dwars, dwass, „quer“



Quellen:

(1) Schiller, Karl / Lübben, August, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, Bremen 1875-1880, Bd. 3, S. 533; Doornkaat Koolman, Jan ten, Wörterbuch der ostfriesischen Sprache, Norden 1879 bis 1884, Bd. 3, S. 75
(2) Grimm, Jacob u. Wilhelm, Deutsches Wörterbuch, online, Bd. 10, Sp. 109-114, Sp. 1653,1654 Duden, Das Herkunftswörterbuch, Mannheim 2007, S. 352; Laur, Wolfgang, Die Orts- und Gewässernamen der Freien und Hansestadt Hamburg, Neumünster 2012, S. 136
(3) Schiller, Karl/Lübben, August, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, Bremen 1875-1880, Bd. 2, S. 276; Mietzner, Erhard, Die Flurnamen der Gemeinde Südlohn. Gesamtüberlieferung (1147-1989) und Namenerklärung, Vreden/Südlohn 1997, S. 148
(4) Doornkaat Koolman, Jan ten, Wörterbuch der ostfriesischen Sprache, Norden 1879 bis 1884, Bd. 2, S. 195
(5) Schiller, Karl / Lübben, August, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, Bremen 1875-1880, Bd. 1, S. 613
(6) Wilken, Martin, Münkeboe und Moorhusen in Südbrookmerland, ihre Entstehung, Entwicklung und Bebauung, Münkeboe 1986


Autor(in):

Gerken, Theo


Letzte Änderung am: 09.03.2017

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