Heidendom (Marx)

Ausgewählter Flurname:

Heidendom


Gemarkung:

Marx

Erfassungen:

Sonstiges

Heidendom (Marx)


Erklärung des Flurnamens:

Im Süden der Ortschaft gelegener Ortsteil, der durch eine ausgeprägte Heidevegetation gekennzeichnet ist, worauf auch die benachbarten Heidkämpe hinweisen.
Eine andere Erklärung des Namens bezieht sich auf ein Hünengrab, das dort gefunden wurde, so dass auch die Bedeutung "Dom der Heiden" zutreffen könnte.

Anmerkung: Die folgende Sage stimmt, wie nicht anders zu erwarten, inhaltlich mit der Realität nicht überein; eine Grabung hat noch keinen Klosterfriedhof gefunden, noch gab es im Kloster Hopels Mönche, somit auch keinen Abt. Das Kloster war ein Nonnenkloster und auch bei archäologischen Untersuchungen sind nie Gebeine in der näheren Umgebung gefunden worden. Auch von einem germanischen Heiligtum fehlt jede Spur, wenngleich im Ort von einem ehemaligen Hünengrab gesprochen wird.

Der Abt des Klosters wollte den verstorbenen Mönchen Denkmäler aus Hünensteinen errichten lassen, die er aus der Gegend Heidendom bei Marx herbeischaffen ließ. Sie wurden mit den Namen der toten Mitbrüder versehen und als Grabmäler aufgestellt. Doch am nächsten Morgen waren
die großen Steine verschwunden und standen wieder an ihrem alten Platz am Heidendom.
Da sprach der Abt eine Beschwörungsformel und bannte den Geist des Hünen in einen Hexenring, indem er einen der Steine, über den er seinen Bann ausgesprochen hatte, in den Ring legen ließ. Seitdem blieben die Denkmäler auf den Gräben stehen. Manchmal beobachteten Schäfer der Umgebung ein Licht bei den Denkmälern; aus Angst schauten sie dieses nur aus der Ferne an. Als ein Schäfer krank wurde, hütete sein Sohn die Herde. Da sah er eine wunderschöne Blume im Hexenring, die er gerne mitnehmen und ausgraben wollte. Um an die Wurzel zu gelangen, musste er den Granitstein beiseite wälzen. Er tat dies, nahm die Blume mit nach Hause und grub sie ein. Sie wuchs und gedieh prächtig. Seit dieser Zeit wurde er von Glück und Reichtum überhäuft, weil er den gebannten Geist des Hünen erlöst hatte.
Dennoch wollte sich der Geist für das erlittene Unrecht an den Mönchen rächen, doch er kam zu spät, denn das Kloster war bereits verfallen. Er zerstörte deshalb die Ruine, riss die Grabsteine heraus und verstreute sie in der Umgebung, wo sie noch heute liegen.



Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. Heide

mnd. heide, „Heide“; "dürres, sandiges, unfruchtbares, unbebautes, wild u. wüst liegendes, meist mit Haidekraut bewachsenes Land; ebenes, unbebautes und unfruchtbares Land“



Quellen:

Doornkaat Koolman, Jan ten, Wörterbuch der ostfriesischen Sprache, Norden 1879 bis 1884, Bd. 2, S. 56
Jurjen van der Kooi, Friesische Sagen, München 1994, hier: Der Geist des Hünen, S. 190/191; Siefkes, Wilhelmine, Ostfriesische Sagen und sagenhafte Geschichten, neu gesammelt, Aurich 1963, S. 142


Autor(in):

Dr. Karl- Heinz Frees


Letzte Änderung am: 06.11.2015

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