Wienhuus Tuun (Norden)

Ausgewählter Flurname:

Wienhuus Tuun


Gemarkung:

Norden

Erfassungen:

Befragung (ca. 1980),
Preußische Grundsteuervermessung (ca. 1870)

Wienhuus Tuun (Norden)


Erklärung des Flurnamens:

Dieses Flurstück lag östlich der heutigen Friesenstrasse und nördlich des Mühlenweges, wo die Besitzer des Weinhauses ihre Pferdeweide hatten. Das Norder Weinhaus war einst im Besitz der Kirche. 1539 berichtet Ernst Friedrichs (von Wicht) von einem Unfall "ante oenopolium". Mindestens seit dem 16. Jahrhundert wurde im Weinhaus eine Schenk- und Gastwirtschaft betrieben. 1613 verleiht Graf Enno III. das Privilegium, dass alle "Kerzenverkäufe und Commissiones, Actus und Verrichtung", wie auch alle anderen bürgerlichen Zusammenkünfte nirgendwo anders als im Weinhaus abgehalten werden sollten. Auch war das Weinhaus im 16. Jahrhundert Versammlungsort der Theelacht. 1816 wird das Privileg der öffentlichen Verkäufe und Verheuerungen von der hannoverschen Regierung abgelehnt. 1919 wird ein Hotelbetrieb im Weinhaus genehmigt, aber schon einige Jahre später wieder aufgegeben. Das Weinhaus wird umgebaut und das Finanzamt fand dort seine Bleibe. 1992 enthält es Dienststellen der ev.-luth. Kirche und der Kriminalpolizei (1).

Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. Wien

mnd. wîn, nnd. wien, "Wein"; "Auch Wein ist (wie Hopfen) früher bis in den Norden Niedersachsens angebaut worden …"



2. Huus

Gebäude, in dem Menschen wohnen



3. Tuun

tûn, "Zaun, Hecke, Stacket, Einfriedigung; eingefriedigter Raum od. Platz, Garten etc."



Quellen:

Scheuermann, Ulrich, Flurnamenforschung. Bausteine zur Heimat- und Regionalgeschichte, Melle 1995, S. 155
Doornkaat Koolman, Jan ten, Wörterbuch der ostfriesischen Sprache, Norden 1879 bis 1884, Bd. 2, S. 118; Duden „Etymologie“. Herkunftswörterbuch der deutschen Sprache, Mannheim 1989, S. 253
Doornkaat Koolman, Jan ten, Wörterbuch der ostfriesischen Sprache, Nachdruck der Ausgabe Norden 1879 bis 1884, Schaan/Liechtenstein 1981, Bd. 3, S. 446
(1) Gretje Schreiber, Der Norder Marktplatz und seine Geschichte bis heute, Aurich 1994, S.104-109.


Autor(in):

Gretje Schreiber


Letzte Änderung am: 17.07.2011

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