Lehmgaste (Nortmoor)

Ausgewählter Flurname:

Lehmgaste


Gemarkung:

Nortmoor

Erfassungen:

Befragung (ca. 1980),
Deutsche Grundkarte,
Preußische Grundsteuervermessung (ca. 1870)

Lehmgaste (Nortmoor)


Erklärung des Flurnamens:

Während der größte Teil der Bebauung in Nortmoor an der Dorfstraße (L821), der früheren Heerstraße von Leer nach Stickhausen aufgereiht liegt, befindet sich eine Anzahl von Höfen südlich abgesetzt von dieser Durchgangsstraße und bildet mit der dort inzwischen vorhandenen Wohnbebauung den Ortsteil "Lehmgaste". Heinrich Erchinger sagt dazu: "Eigentlich ist Lehmgaste kein Ortsteil von Nortmoor, sondern von jeher ein Hauptbestandteil der ehemaligen Westender-Bauernschaft". (Quelle: Ortsgeschichte Nortmoor, Bd. VI, S.75). Nach der gleichen Quelle befanden sich in diesem Gebiet um 1875 sechs volle Heerde und eine Reihe weiterer Landstellen sowie einige Wohnbebauung, so dass hier bereits zu dieser Zeit insgesamt 17 Häuser vorhanden waren. Die verdichtete Bebauung in diesem Bereich war offensichtlich darin begründet, weil ein Ausläufer der hohen Geest hier am weitesten nach Süden in den Hammrich hineinragte und einen vor Überflutungen sicheren Standort bot (2,5 bis 3,0m ü. NN).
Diese Tatsache kommt auch in dem Flurnamen zum Ausdruck, der im Grundwort "Gaste" führt und dessen Bestimmungswort auf den fruchtbaren Boden, den hier anstehenden lehmigen Sand hinweist.


Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. Lehm

mnd. lêm, „Lehm“; „etwas sandiger Thon, der früher im Hausbau zum Verkleben und Bestreichen der Wände und als Mörtel anstatt des Kalkes benutzt wurde“



2. Gaste

afries. gāst, gēst f., „Geest“; mnd. gêst, gast, f., „das hohe trockene Land im Gegensatz zu den Marschniederungen“. – „Oft in Namen für den Altacker eines Dorfes."



Quellen:

Doornkaat Koolman, Jan ten, Wörterbuch der ostfriesischen Sprache, Norden 1879 bis 1884, Bd. 2, S. 492
Schiller, Karl/Lübben, August, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, Bremen 1875-1880, Bd. 2, S. 83; Remmers, Arend, Mittelalterliche Flurnamen in Ostfriesland, Online-Veröffentlichung, Aurich 2011, S. 26; Scheuermann, Ulrich, Flurnamenforschung. Bausteine zur Heimat- und Regionalgeschichte, Melle 1995, S. 120


Autor(in):

Immega, Heye A.


Letzte Änderung am: 31.07.2015

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