Gemeindeweide Gastmer Meer (Tergast)

Ausgewählter Flurname:

Gemeindeweide Gastmer Meer
( Gemeindeweide )

Gemarkung:

Tergast

Erfassungen:

Deutsche Grundkarte

Gemeindeweide Gastmer Meer (Tergast)


Erklärung des Flurnamens:

Die Gemeindeweide Gastmer Meer im Nordosten der Gemarkung war Teil der Tergaster Allmende. Die Fläche ist von geringerer Bodenqualität und liegt teilweise auf dem Gebiet des im 19. Jahrhundert verlandeten Gastmer Meeres. Dieses Land gehörte ehemals zum Besitz der Sieve und war von den Töchtern Ulrichs von Dornum an die Gemeinde Tergast verschenkt worden. [6] 1668 wird das Land im Honartschen Register als Flurstück Nr. 195 registriert und als Gastmer Meene Hullen bezeichnet. Die Bewirtschaftungsform der Gemeindeweide oder Allmende geht auf das Mittelalter zurück; es handelt sich dabei um ein ungeteiltes (nicht parzelliertes) gemeinschaftliches Eigentum des Dorfes.
Entsprechend den Grundsätzen der friesischen Freiheit wurde das Gemarkungsgebiet genossenschaftlich, durch sogenannte Bauernrichter (Buurrichter) verwaltet, die aus der Gruppe der ortsansässigen Bauern gewählt wurden. Für Tergast ist ein Vergleichsrecess aus dem Jahre 1662 und eine Gemeindeverordnung vom 1. März 1785 [4] erhalten geblieben, die die allgemeinen Regeln der Nutzung beinhalten. So wurde die Allmende zur Viehweidung genutzt, es durften nur einjährige und zweijährige Kühe und einjährige Ochsen aufgetrieben werden. Der Auftrieb von Pferden, Gänsen und Schweinen war bei Strafe verboten. Diese Regel erklärt sich aus der anmoorigen Bodenbeschaffenheit der Allmende. Die Gemeindeweide Gastmer Meer verfügte über keine eigene Zuwegung, so musste der Auf- und Abtrieb der Tiere über eine sogenannte Tillport erfolgen. Tillporten waren provisorische Brücken, die über die Gräben gelegt wurden, um den Weg zu dem Flurstück zu eröffnen. Die Unzugänglichkeit der Allmende machte es nötig, dass der Buurrichter für eine tägliche Umwanderung des Flurstückes sorgen musste, um die Gräben auf verendetes oder verletztes Vieh zu kontrollieren. Heute befindet sich die Allmende im anteiligem Besitz der Bauerngemeinschaft; sie bleibt jedoch aus Gründen des Naturschutzes unbewirtschaftet. [5]


Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. Gemeindeweide

[1] Allmende; afries. mêne, „gemein, allgemein, gesammt, ganz; gemeinsam, gemeinschaftlich; gemein, gewöhnlich“; mnd. mene, f., „Gemeinschaft“, auch: „gemeinschaftlich“; mnd. meinde, f., „Gemeinbesitz, gemeinschaftlicher Landbesitz“; nnd. mên, mêne, „gemein, gemeinsam, gemeinschaftlich, bz. sämmtlich, zusammengehörig, gesammt“; nnd. Meinte, f., „eig. die Gemeine, dann aber das Gemeinegut, nam. der gesammte Grundbesitz an Äckern, Weiden, Ängern und Forsten, welche einer ganzen Gemeine gehören“



2. Gastmer

[2] = Tergaster; Tergast: "Bei diesem Siedlungsnamen sind die Präposition "to" und der Artikel "der" zu "Ter-" verschmolzen. Der Ort verdankt seinen Namen der Tatsache, dass er auf einem Moränenrücken liegt." "Gast" bedeutet "hochgelegenes Ackerland."



3. Meer

[3] afries. mere, mer, mar, mēr, m., n.‚ „Meer; stehendes Gewässer, Wasserloch“; mnd. mer, „großes Wasser, Meer, mare, offene See; Binnensee“; nnd. mêr, „Meer, hier speciell Land- od. Binnen-See, stehendes Wasser, im Gegensatz zu sê als Weltmeer od. dem fluthenden Wasser“



Quellen:

[1] Schiller, Karl/Lübben, August, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, Bremen 1875-1880, Bd. 3, S. 65; Doornkaat Koolman, Jan ten, Wörterbuch der ostfriesischen Sprache, Norden 1879 bis 1884, Bd. 2, S. 589; Scheuermann, Ulrich, Flurnamenforschung. Bausteine zur Heimat- und Regionalgeschichte, Melle 1995, S. 136
[2] Remmers, Arend, Von Aaltukerei bis Zwischenmooren. Die Siedlungsnamen zwischen Dollart und Jade, Leer 2004, S. 28, 217
[3] Remmers, Arend, Mittelalterliche Flurnamen in Ostfriesland, Online-Veröffentlichung, Aurich 2011, S. 64; Lasch, A., & Borchling, C., Mittelniederdeutsches Handwörterbuch. Fortgf. v. G. Cordes und D. Möhn, Neumünster 1987, Bd. 2, Teil 1, Sp. 960; Doornkaat Koolman, Jan ten, Wörterbuch der ostfriesischen Sprache, Norden 1879 bis 1884, Bd. 2, S. 592
[4] StadtEmd, AK Nr. 86, Nr. 34; van der Linde, Benjamin, Ortssippenbuch Tergast, Aurich 2009, Band 85, S. 31, 44-47
[5] Befragung: Andreas Thomsen, Lambert Tergast, Peter Goemann.
[6] Ohling, Gerhard, Junker Ulrich von Dornum nebst dem Oldersumer Religionsgespräch, Aurich 1955, S. 25


Autor(in):

Hermine und Imke Saathoff


Letzte Änderung am: 06.10.2015

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