Hölle (Tergast)

Ausgewählter Flurname:

Hölle
( Hullen, Sechs Diemath, Fokke Busch )

Gemarkung:

Tergast

Erfassungen:

Preußische Grundsteuervermessung (ca.1870)

Hölle (Tergast)


Erklärung des Flurnamens:

Die Bezeichnung Hölle ist hier auf das neuniederdeutsche Wort Hülle zurückzuführen. Es handelt sich bei diesem Flurnamen um einen Übersetzungsfehler des 19. Jahrhunderts.

Mit Hülle ist eine Erhöhung gemeint. Das Flurstück Hölle liegt im Uferbereich des verlandeten Gastmer Meeres und hat ein eher niedriges Höhenniveau. Der Unterboden ist anmoorig, da die Flächen häufig unter Wasser standen, vor allem nach starken Regenfällen in den Wintermonaten. Bei der Beweidung ist durch den Viehtritt eine höckerige Oberfläche entstanden, die in sich Erhöhungen aufweist. Die Bezeichnung Hülle (= Anhöhe) bezieht sich somit auf die Oberflächenstrucktur der Flurstückes und nicht auf sein Höhenniveau. Die Beweidung des Grundstücks wird in den vergangenen Jahrhunderten aufgrund seiner niedrigen Lage nicht immer ganzjährig möglich gewesen sein.

Im Honartschen Register [3] wird dieses Flurstück (Nr. 51) folgendermaßen beschrieben: "ein stück ans Mehr meist Heiden vnd Vnlant die Hüllen genannt". „Hüllen“ in der Bedeutung von "kleine Erhöhung" ist auch hier ein Hinweis auf die unebene, höckerige Struktur des Landstücks, die auf anmoorigen Böden durch den Viehtritt der Weidetiere entsteht. Der Name „Hüllen“ verweist somit auch auf Graswirtschaft [2].

Im Honartschen Register wird die Fläche auch Fokke Busch genannt. Diese Bezeichnung weist auf ein mit Gebüsch bewachsenes Landstück hin, das einst im Besitz einer Person namens Fokke war [4].


Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. Hülle

[1] nnd. hülle, hüll‘, auch hülte, „kleiner Hügel, Erhöhung“



Quellen:

[1] Doornkaat Koolman, Jan ten, Wörterbuch der ostfriesischen Sprache, Norden 1879 bis 1884, Bd. 2, S. 114
[2] Ohling, G. D., Tergast und seine Feldmark, in: Ostfriesischer Hauskalender oder Hausfreund 1953, S. 67-70.
[3] Honartsches Register, StadEmd, AK Nr. 86, Nr. 34; van der Linde, Benjamin, OSB Tergast, Aurich 2009, S. 22
[4] Befragung: Charlotte Sander, Gerd Klock


Autor(in):

Hermine und Imke Saathoff


Letzte Änderung am: 11.10.2015

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