Lüttje Warf (Tergast)

Ausgewählter Flurname:

Lüttje Warf


Gemarkung:

Tergast

Erfassungen:

Hannoversche Grundsteuervermessung (ca. 1830),
Befragung (ca. 1980),
Deutsche Grundkarte

Lüttje Warf (Tergast)


Erklärung des Flurnamens:

Lüttje Warf ist der Name einer kleinen, erhöht liegenden Hofstelle.

Hier befand sich die ursprüngliche Hofstelle des Tergaster Grashauses. Der Bau der Bahnstrecke um 1850 machte eine Verlagerung des Gebäudes notwendig. Es wurde an der heutigen Flurstelle "Tergaster Grashaus", etwas nördlich von der Bahntrasse gelegen, wieder aufgebaut. Die damaligen Besitzer des Grashauses vereinbarten mit der deutschen Reichsbahn, den alten Hof Stein für Stein abzutragen und an der neuen Stelle wieder zu errichten [4].

Im Honartschen Register von 1668 gehört dieses Flurstück zu der größeren Parzelle Nr. 197. Verzeichnet ist hier ebenfalls das Gebäude das alten Tergaster Grashauses. [3]


Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. lütje

[1] mnd. luttik, „klein, gering, wenig“



2. Warf

[2] mnd. wurt, wort, f. „urspr. wohl jede (natürliche od. künstliche) Erhöhung, die Sicherheit und Schutz gegen aufsteigendes Waßer gewähren soll; [...]; dann bes. die Stätte für (landwirthschaftliche) Gebäude oder Platz zum Hausbau; überh. jede Hofstätte, bes. eine eingezäunte, sie sei bebaut od. nicht, deren es mehrere bei einem Gute geben kann.“; nnd. warf, „a. ein als Wohn- od. Hausstätte benutzter, meist künstlich geschaffener od. doch später nach Bedürfniss erhöhter Hügel od. eine Anhöhe in der Marsch od. in der Nähe des Meeres, worauf ein Haus od. ein Dorf zur Sicherheit gegen Sturmfluten u. Ueberströmungen erbaut ist“, „b. ein auf einem warf erbautes Haus od. ein kleiner Bauernhof, als ländliche Besitzung u. ländlicher Betrieb“, „c. die erhöhte Haus- od. Hofstätte od. der Hofplatz überhaupt u. so auch der erhöhte Platz od. Hof-Raum innerhalb od. ausserhalb eines Hauses, meist eingefriedigt u. gepflastert“, „d. der (meist erhöhte u. eingefriedigte) Raum od. Platz, worauf eine Mühle steht [...] od. Platz, worauf Kalk aus Muscheln etc. gebrannt wird“



Quellen:

[1] Schiller, Karl/Lübben, August, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, Bremen 1875-1880, Bd. 2, S. 756
[2] Schiller, Karl/Lübben, August, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, Bremen 1875-1880, Bd. 5, S. 790; Doornkaat Koolman, Jan ten, Wörterbuch der ostfriesischen Sprache, Norden 1879 bis 1884, Bd. 3, S. 513
[3] Honartsches Register; StadEmd, AK Nr. 86, Nr. 34; van der Linde, Benjamin, OSB Tergast, Aurich 2009, S. 35
[4] Herrn Andreas Thomsen, Eigentümer des Grashauses


Autor(in):

Hermine und Imke Saathoff


Letzte Änderung am: 01.08.2015

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