Leiweg (Tergast)

Ausgewählter Flurname:

Leiweg


Gemarkung:

Tergast

Erfassungen:

Deutsche Grundkarte

Leiweg (Tergast)


Erklärung des Flurnamens:

Der Leiweg = der niedrig gelegter, abgegrabener Weg.

Der Leiweg ist ein alter Verbindungsweg von Tergast nach Rorichum. Aus mündlicher Überlieferung ist bekannt, dass er bis zur halben Wegstrecke abgegraben (abgetichelt) worden ist, um aus der im Boden vorhandenen Lehmschicht Ziegel in den Tergaster Ziegeleien zu brennen.
Übereinstimmend äußert sich Dr. G. D. Ohling in seinem Aufsatz "Tergast und seine Feldmark". Er leitet hier den Begriff "lei" von "leye" und "leeg" und damit von "niedrig" ab. [3]
Aufgrund der wechselnden Lage des Rorichumer Tiefes besaß Oldersum um 1600 keinen eigenen Verbindungsweg nach Rorichum. Nur über den Leiweg konnte man damals die einzelnen Dörfer erreichen, damit war er Teil des Heerweges von Emden nach Leer. [4]
In einem Protokoll vom 23. Mai 1793, das von den damaligen Amtsträgern des Dorfes Tergat an den Magistrat von Emden gerichtet ist, wird erwähnt, dass der Leye Weg zu den Privatwegen gehört und von den Besitzern der anliegenden Ländereien auf einer Breite von 12 bis 20 Schuhbreiten durchgängig gehalten werden müsste. [5]
Mit dem Bau der Eisenbahnstrecke Leer-Emden in den 1850er Jahren entstand der Eisenbahndamm, der diesen Weg querte. Der hier errichtete Bahnübergang war mit einem Bahnwärterhäuschen ausgestattet und machte eine weitere Wegnutzung bis in die 1970er Jahre möglich. Mit der flächendeckend einsetzenden Elektrifizierung der Bahnstrecken im Bundesgebiet war man in der Lage Bahnübergänge automatisch zu überwachen, gleichzeitig verringerte man damals die Anzahl der Bahnübergänge. Diese Modernisierung betraf auch den Bahnübergang des Leiweges, er wurde geschlossen, was seither den alten Verbindungsweg nach Rorichum unpassierbar macht. [2]


Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. lei

[1] leeg, mnd. lêch, „niedrig, niedrig gelegen“; „bildl. niedrig, gering, schlecht“; nnd. leeg, „niedrig, niedrig od. flach liegend“; lëg, „mager, trocken, hinfällig, schlecht, nichts taugend“



Quellen:

[1] Scheuermann, Ulrich, Flurnamenforschung. Bausteine zur Heimat- und Regionalgeschichte, Melle 1995, S. 134
[2] Befragung: Alerich Hartmann
[3] Ohling, Dr. G. D., Tergast und seine Feldmark, in: Ostfriesischer Haus-Kalender oder Hausfreund, Leer 1953, S. 68
[4] Kannegieter, Herbert, Oldersumer Chronik, Emden 1987, S. 110
[5] von Unruh, G. Chr., Tergast - aus der Geschichte einer Bauernschaft, in: Unser Ostfriesland, Beilage zur Ostfriesenzeitung, 1961, Nr. 17-20


Autor(in):

Hermine und Imke Saathoff


Letzte Änderung am: 06.10.2015

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