Königsweg (Timmel)

Ausgewählter Flurname:

Königsweg


Gemarkung:

Timmel

Erfassungen:

Befragung (ca. 1980),
Deutsche Grundkarte,
Preußische Grundsteuervermessung (ca. 1870)

Königsweg (Timmel)


Erklärung des Flurnamens:

Bezeichnet einen Weg, dessen Benennung vermutlich aus der Zeit des ersten friesischen Königtums (ab ca. 680 n. Chr.) unter der Herrschaft Radbods hervorgegangen ist. „Die langen ‘Königswege‘, die unter Radbods Regime in ganz Friesland angelegt wurden, ermöglichten es den Missionaren, das gesamte Friesland zu bereisen“ (KUROWSKI, 2009, S. 26). Zweite Möglichkeit: Bezeichnet einen Weg, der für die Siedler früher von großer Bedeutung gewesen ist. In der Gegend gab es keinen Kanal oder Wasserweg zum Abtransport von Torf oder landwirtschaftlichen Gütern, von daher war der Königsweg als Verkehrsweg durchaus wichtig. Ein dritte Möglichkeit wäre, dass sich in der Nähe des Weges evtl. Moor im Besitz des preußischen Königs Friedrich II. befunden hat, denn mit dem vom ihm erlassenen „Urbarmachungsrecht“ von 1765 erklärte er weite Moor- und Heideflächen zum Eigentum der preußischen Landesherrschaft. Interessenten hatten durch diese Maßnahme „die Möglichkeit Grund und Boden zu erwerben und eine eigene Existenz zu gründen“ (WASSERMANN, 1995, S. 107).

Lagebeschreibung: Im Nordosten, verläuft von der Ostermoorstraße zum Kirchweg, nördlich des Frauenmeers.

Heutige Beschaffenheit: Weg


Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. Königs

zu mhd. künic, künec ‘König, allgem. (nicht nur den herscher bezeichnend, sondern auch des Königs Brüder, Söhne, ja alle vom königl. Stamme‘ (LEXER, I, Sp. 1774); ahd. kuni(n)g ‘König, Herrscher‘ (SCHÜTZEICHEL, S. 186); as. kuning ‘König‘ (HOLTHAUSEN, As. Wb., S. 44).



2. Weg

Weg, m. ‘festgetretene oder befestigte Bahn zum Gehen, Fahren, Pfad, zurückzulegende Strecke in eine bestimmte Richtung; Art und Weise‘ (KLUGE, II, S. 1544), ahd. weg ‘Weg, Straße; Zugang; Bahn; Reise‘ (SCHÜTZEICHEL, S. 312), as. weg, m., ‘Weg, Straße‘ (HOLTHAUSEN, as. Wb., S. 85), afr. wei, wi, m. ‘Weg; Entfernung; Reise‘ (HOLTHAUSEN, afrs. Wb. S. 127), mnd. weg, wech, m. ‘Weg; Art und Weise‘ (SCHILLER, LÜBBEN, V, S. 619), wfries. wey, nfries. wéy, satl. wai, ostfr. nd. weg ‘Weg, Straße, Gang, Reise‘ (DOORNKAAT KOOLMAN III, S. 526). Die mnd. Form wech tritt laut SUNDERMANN (1901) und AHLSSON (1964, S. 36) in FlN erst gegen Ende des 15. Jahrhunderts auf. Das Lexem Weg kommt im UG als GW in zahlreichen Zusammensetzungen vor, dabei steht es meistens in Verbindung mit BW, die auf die Lage des Weges verweisen. Sie beziehen sich häufig auf Flurstücke, Flächen und markante Objekte, die an der Verkehrsverbindung liegen. Außerdem deuten die BW oftmals auf die Richtung des Weges hin, wie z.B. bei den FlN Bagbander Weg, oder Hatshauser Weg (FlN-Typ: SN + -er Suffix + Weg).



Quellen:

KUROWSKI, F. (2009). Die Friesen. Das Volk am Meer. Hamburg: Nikol.
WASSERMANN, E. (1995). Siedlungsgeschichte der Moore. In H. Van Legen, & K.-E. Behre, Ostfriesland. Geschichte und Gestalt einer Kulturlandschaft. (S. 93-113). Aurich: Ostfriesische Landschaft.
LEXER, M. (1869-1872). Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. Leipzig.
SCHÜTZEICHEL, R. (1995). Althochdeutsches Wörterbuch. 5., überarbeitete und erweiterte Auflage. Tübingen: Max Niemeyer Verlag.
HOLTHAUSEN, F. (1967). Altsächsisches Wörterbuch (2. Aufl.). Köln, Graz: Böhlau Verlag.
KLUGE, F. (2011). Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. (25. Aufl.). Berlin, New York.
HOLTHAUSEN, F. (1925). Altfriesisches Wörterbuch. Heidelberg: Carl Winter’s Universitätsbuchhandlung.
SCHILLER, K., & LÜBBEN, A. (1878). Mittelniederdeutsches Wörterbuch. Bremen: J. Kühtmann´s Buchhandlung.
DOORNKAAT KOOLMAN, J. t. (1879-1884). Wörterbuch der ostfriesischen Sprache. Etymologisch bearbeitet. Norden: Braams.
SUNDERMANN, H. (1901). Friesische und niedersächsische Bestandteile in den Ortsnamen Ostfrieslands. Ein Beitrag zur Siedlungsgeschichte der Nordseeküste. Emden.
AHLSSON, L.-E. (1964). Studien zum ostfriesischen Mittelniederdeutsch. Uppsala: Almquist und Wiksells.


Autor(in):

Markus Thamling


Letzte Änderung am: 16.01.2018

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