Flachsmeer (Veenhusen)

Ausgewählter Flurname:

Flachsmeer


Gemarkung:

Veenhusen

Erfassungen:

Befragung (ca. 1980),
Deutsche Grundkarte,
Preußische Grundsteuervermessung (ca. 1870)

Flachsmeer (Veenhusen)


Erklärung des Flurnamens:

Direkt in der Ortschaft Veenhusen, an der Schnittstelle zwischen Moor und Geest, liegt der Flachmoorsee „Flachsmeer“. Unmittelbar daran verläuft die Bundesautobahn A 31 Leer-Emden. Flachmoorseen bildeten sich aus Senken, in denen sich Grundwasser sammelte, das nicht abfließen konnte. Ein solches Hindernis ist ein Sandrücken, das von Altschwoog in nördlicher Richtung über den Straßenverlauf „Allee“ und „Auf der Kave“ verläuft.
In den Jahren von 1800 bis 1840 wird die Größe des „Flachsmeeres“ mit 14 ha angegeben. 1861 werden 10 ha genannt, wovon 9 ha Wasserfläche waren. Danach setzte eine starke Verlandung ein, die mit der Kultivierung der Hochmoorflächen und der Entwässerung der Umgebung zusammenhängt. In der Preußischen Landesaufnahme von 1900 werden nur noch 3 ha verzeichnet. Das zwischenzeitlich ausgewiesene Landschaftsschutzgebiet umfasst heute lediglich noch eine kleine Restwasserfläche, in der jedoch ein grundloser Kern vorhanden ist. Durch mangelnde Pflegearbeiten und den gegenwärtigen Wildwuchs droht das Feuchtgebiet immer weiter zu verlanden.
Ob in dem Flachsmeer früher der Flachs zur „Rötte“ gelegt wurde, kann heute allenfalls nur vermutet werden.
„Als „Flachsmeer“, oder auch „Flachsrotte“, wurde eine mit Wasser gefüllte Grube bezeichnet, in dem geerntete Flachshalme (Lein) für mehrere Tage bis Wochen fermentiert („verrottet“, als Verb „rösten“ (faulen machen, rotten lassen)) wurden, um auf diese Weise besser an die Leitbündel zu gelangen, die als Fasern zur Flachsgarn- bzw. Leinenherstellung genutzt wurden. Auf diese Weise löste sich die spinnbare Faser vom holzigen Kern des Stängels. Anschließend wurden die Fasern getrocknet, gebrochen und ausgekämmt. Das Rösten fand in stehenden Gewässern statt, die durch den Fäulnisprozess nicht als Fischgewässer genutzt werden konnten. Während des Röstens entstand ein starker Gestank, so dass Flachsrotten abseits der Siedlungen angelegt wurden.“
Belegt ist jedoch die Tatsache, dass in früheren Jahren die Jugend dort in den Wintermonaten zum Schlittschuhlaufen ging.


Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. Flachs

afries. flax, nnd. flas, „Flachs“



2. Meer

mnd. mer n. „1. großes Wasser, Meer, offene See. 2. Binnensee, -meer, stehendes Gewässer“, nnd. Meer n. „1. der Sumpf, See. Nur als Localname. 2. Meer. Dafür gewöhnlich Sê“. – Meint nicht nur „stehendes



Quellen:

Doornkaat Koolman, Jan ten, Wörterbuch der ostfriesischen Sprache, Norden 1879 bis 1884, Bd. 1, S. 502
Scheuermann, Ulrich, Flurnamenforschung. Bausteine zur Heimat- und Regionalgeschichte, Melle 1995, S. 136
Janssen, Theodor, Gewässerkunde Ostfrieslands, Aurich 1967, S. 238 ff
„Eine wasserführende Niederung hinter dem Geestrücken“, in: Moormerland Anzeiger, Ausgabe 407, April 2012
Buhr de, Jann, „Der Verkauf des Flachsmeeres bei Veenhusen“, in: Moormerland Anzeiger, Ausgabe 60, September 1984
Buhr de, Jann, „Bunger und Heddens für 3 Jahre gewählt - zuständig für Entwässerungsangelegenheiten“, in: Moormerland Anzeiger, Ausgabe 62, November 1984
Koenen, Philipp, „Naturschützer sorgen sich um Binnensee“, in: Ostfriesen Zeitung, Ausgabe vom 13.03.2007
Meyer, Rudi, „Wildwuchs gefährdet das Moorgebiet“, in: Ostfriesen Zeitung, Ausgabe vom 22.07.2010
„Veenhusens „Flachseewald“ steht bestens im Grün – ein Flachmoorsee mutiert zum Urwald“, in: Moormerland Anzeiger, Ausgabe 410, Juni 2012


Links:

http://www.natur.bsl-ag.de/fileadmin/user_upload/bl/news/Flachsrottenbrosch_re1.pdf (06.11.2015)
http://de.wikipedia.org/wiki/Flachsrotte (06.11.2015)

Autor(in):

Torsten Manssen


Letzte Änderung am: 07.11.2015

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