Harens Tille (Victorbur)

Ausgewählter Flurname:

Harens Tille


Gemarkung:

Victorbur

Erfassungen:

Befragung (ca. 1980),
Deutsche Grundkarte

Harens Tille (Victorbur)


Erklärung des Flurnamens:

"Harens Tille" bezeichnet eine Brücke im Verlauf des "Alten Postweges" über die "Ehe" und verbindet hier die Gemarkungen Victorbur und Upende / Oldeborg.
Die "Ehe" ist im 19. Jahrhundert zum "Abelitz-Moordorf-Kanal" ausgebaut, verbreitert, begradigt und vertieft worden (gebaut 1870-1877, vertieft 1886-1894).
Der "Alte Postweg" ist eine historische Verbindung zwischen Aurich und Norden. Sie wurde vor dem Bau der jetzigen Bundesstraße (ab 1845 „Chaussee“) zur überörtlichen Postbeförderung genutzt. Die Gesamtstrecke verlief von Aurich über Walle, Moordorf, Victorbur, Oldeborg, Fehnhusen, Upgant, Marienhafe, Osteel und Nadörst nach Norden. Die Verbindung bestand bereits im 16. Jahrhundert. Sie ist in älteren Karten (z.B. von Lecoq) eingezeichnet.
Im Ortssippenbuch der Gemeinde Engerhafe wird der Familienname "Haren" im 18. Jahrhundert zweimal mit der Anmerkung aufgeführt, dass die Personen in Victorbur Grundbesitz haben oder dort wohnen (Quelle: Schoneboom, Marten & Wilken, Martin, Die Familien der Kirchengemeinde Engerhafe (1666-1900), Aurich 2011, Nummer 1322 und 1324).
Diese Hubbrücke, die eventuell von den "Harens" gebaut wurde oder zu deren Ländereien führte, ist heute eine starre Brücke, da kein Binnenschiffsverkehr mehr auf dem Kanal erfolgt. Früher wurde der Kanal mit Torfkähnen, den sog. Törfmuttjes, befahren.
Die nördlich des "Abelitz-Moordorf-Kanals" gelegenen Flächen führen den Flurnamen "Harenfeld". Hier wird der Familienname nochmals im Flurnamen geführt, was darauf hindeutet, dass über "Harens Tille" auch "Harens" Felder erreicht wurden.



Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. Tille

(1) afries. tille, nnd. tille, til, „Brücke, besonders eine leichte, welche sich abheben (tillen) oder aufziehen läßt“



Quellen:

(1) Doornkaat Koolman, Jan ten, Wörterbuch der ostfriesischen Sprache, Norden 1879 bis 1884, Bd. 3, S. 411; Stürenburg, Cirk Heinrich, Ostfriesisches Wörterbuch, Nachdruck der Ausgabe Aurich 1857, Leer 1996, S. 282


Autor(in):

Johann Dirksen
  


Letzte Änderung am: 05.01.2018

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