Blinde Wieke (Warsingsfehn)

Ausgewählter Flurname:

Blinde Wieke


Gemarkung:

Warsingsfehn

Erfassungen:

Befragung (ca. 1980),
Deutsche Grundkarte,
Preußische Grundsteuervermessung (ca. 1870)

Blinde Wieke (Warsingsfehn)


Erklärung des Flurnamens:

Bei Ausgrabungsarbeiten an der Hauptwieke stießen die Arbeiter um 1836 auf einen Sandrücken mit Treibsand und Lehm, der das Warsingsfehn von Osten nach Westen durchquerte.
Zunächst glaubte man, das Hindernis umgehen zu können, indem man den Kanal leicht nach Norden verschwenkte. Doch „wühlten“ sich die Arbeiter weiterhin im Sand fest. Es wurde dann beschlossen, von der „8. Süderwieke“ (der heutigen Hemme-Janssen-Straße) aus, eine Osterwieke parallel zur Richtung des Hauptkanals bis an die Grenzen von Veenhusen zu graben. Diese Wieke wäre den Siedlern auf dem „Polder“ zugute gekommen. Aber auch bei der Grabung dieser Osterwieke stieß man auf den unüberwindbaren Sandrücken und ließ deshalb diese Wieke als kurzes Ende liegen. Sie wurde deshalb „Blinde Wieke“ genannt. Heute befindet sich die „Friedrich-Ebert-Straße“ auf dem ehemaligen Kanalbett. Mit dem Bau des „Sauteler Kanals“ in der Zeit von 1967-1970 wurden im Bereich Warsingsfehn große Mengen Sand verfügbar. Dieser Sand konnte für die Verfüllung der Wieken benutzt werden. Mit Ratsbeschluss von 1969 wurden die ersten Wieken im Kernbereich verfüllt. An die ehemalige Wieke erinnert heute nichts mehr.


Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. Wieke

von mnd. wîk, „das Weichen, Entweichung“, „ein von einem Hauptcanal seitlich abweichender kleinerer Canal od. überhaupt eine seitliche Ausbucht eines grösseren Tiefes od. Canals, wie sich solche hauptsächlich auf den Fehnen finden.“ – Inwieke: „eine nach innen, bz. ins Land od. Moor hinein gegrabene Wieke od. Neben-Canal, der sich von der Hauptwieke abzweigt.“



Quellen:

Schiller, Karl/Lübben, August, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, Bremen 1875-1880, Bd. 5, S. 710; Doornkaat Koolman, Jan ten, Wörterbuch der ostfriesischen Sprache, Norden 1879 bis 1884, Bd. 3, S. 548; Bd. 2, S. 133
Dorfchronik "250 Jahre Warsingsfehn", 1736 - 1986, Leer 1986, S. 40, S. 64, S. 254, S. 268ff
StAA Aurich, Rep. 31/1135
Moormerland früher und heute; Verlag Sollermann Leer, 1984, S.35
Johann Kramer, Renke Wolff, Deichschutz und Entwässerung in der Moormerländer Deichacht und im Entwässerungsverband Oldersum, Leer 1989, S.155 ff
Moormerland Anzeiger, Ausgabe Nr. 93, Juni 1987


Autor(in):

Torsten Manssen


Letzte Änderung am: 23.09.2017

Projektpartner