Erste Norderwieke (Warsingsfehn)

Ausgewählter Flurname:

Erste Norderwieke


Gemarkung:

Warsingsfehn

Erfassungen:

Hannoversche Grundsteuervermessung (ca. 1830),
Befragung (ca. 1980),
Deutsche Grundkarte,
Preußische Grundsteuervermessung (ca. 1870)

Erste Norderwieke (Warsingsfehn)


Erklärung des Flurnamens:

Die Erschließung des Warsingschen Fehns zeichnet sich von Anfang an durch eine geplante Systematik aus. Man war bestrebt, das gesamte Moor durch ein ausgewogenes Kanalsystem trockenzulegen und durch Schiffbarmachung der Kanäle den Abtransport des Brenntorfes zu gewährleisten. Wo sich das Moorgebiet verbreiterte, verlief die Hauptwieke etwa in der Mitte. Es wurden beidseitig abzweigende, zueinander parallel verlaufende Seitenkanäle angelegt.
Die Erste Norderwieke wurde in den Jahren um 1750 gegraben und 1779 in östlicher Richtung verlängert. Der Wasserspiegel der Wieke lag aufgrund der Kanalhaltung oberhalb der Schleuse deutlich höher als die umliegenden, abgetorften Ländereien. Die Geländehöhe liegt hier bei ca. NN – 0,50m, weshalb die Fehnhäuser in diesem Bereich auf kleinen Erhöhungen an der Wieke stehen. Hier wurde 1821 der heute unter Denkmalschutz stehende erste Friedhof angelegt. 1824 wurde ein neues Schulgebäude auf dem Friedhof errichtet, welches 1867 durch ein größeres Gebäude ersetzt werden musste. 1897 konnte ein Erweiterungsbau auf der gegenüber liegenden Kanalseite bezogen werden. Somit bildete die Erste Norderwieke im ausgehenden 19. Jahrhundert so etwas wie ein "kleines Zentrum", da sich hier am Hauptkanal neben der Mühle und einer Schiffswerft die Schleuse befand.
Insgesamt gab es in Warsingsfehn neben 7 Norderwieken und 10 Süderwieken noch 3 Westerwieken, die wiederum von der Ersten Norderwieke abzweigten.


Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. Wieke

von mnd. wîk, „das Weichen, Entweichung“, „ein von einem Hauptcanal seitlich abweichender kleinerer Canal od. überhaupt eine seitliche Ausbucht eines grösseren Tiefes od. Canals, wie sich solche hauptsächlich auf den Fehnen finden.“ – Inwieke: „eine nach innen, bz. ins Land od. Moor hinein gegrabene Wieke od. Neben-Canal, der sich von der Hauptwieke abzweigt.“



Quellen:

Schiller, Karl/Lübben, August, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, Bremen 1875-1880, Bd. 5, S. 710; Doornkaat Koolman, Jan ten, Wörterbuch der ostfriesischen Sprache, Norden 1879 bis 1884, Bd. 3, S. 548; Bd. 2, S. 133
Jürgen Bünstorf, Die ostfriesische Fehnsiedlung als regionaler Siedlungsform-Typus und Träger sozial-funktionaler Berufstradition, Aurich 1966, S. 31
Dorfchronik: 250 Jahre Warsingsfehn, 1736 - 1986, Leer 1986, S. 22, S. 57 ff, S. 140 ff


Links:

http://www.ostfriesischelandschaft.de/fileadmin/user_upload/BIBLIOTHEK/HOO/HOO_Warsingsfehn.pdf (21.02.2017)

Autor(in):

Torsten Manssen


Letzte Änderung am: 19.09.2017

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