Zweite Norderwieke (Warsingsfehn)

Ausgewählter Flurname:

Zweite Norderwieke


Gemarkung:

Warsingsfehn

Erfassungen:

Hannoversche Grundsteuervermessung (ca. 1830),
Befragung (ca. 1980),
Deutsche Grundkarte,
Preußische Grundsteuervermessung (ca. 1870)

Zweite Norderwieke (Warsingsfehn)


Erklärung des Flurnamens:

Zweite Norderwieke bezeichnet eine Inwieke, die vom Warsingsfehnkanal etwa nach Norden abzweigt.

Eine Inwieke ist ein Nebenkanal, der von dem Hauptkanal aus in das Moor gegraben wurde.
Die Anlage eines Fehns wird vom Verlauf der Hauptkanäle nebst Inwieken bestimmt. Der Kanalbau, der von Menschenhand erfolgte, war die Vorbedingung für eine Fehngründung. Dadurch wurde die Moorerschließung erst möglich. Der Kanal hatte eine doppelte Aufgabe. Einmal diente er zur Entwässerung des Moores und zum anderen diente er als Wasserstraße für den Transport aller für die Entwicklung eines Fehns erforderlichen Waren.
Als Dr. Gerhard Warsing im Jahr 1736 ein Moorgebiet in der Größe von 400 Diemath zur Gründung eines Fehns von dem Fürsten Carl Edzard erhalten hatte, musste er zuerst für einen schiffbaren Hauptkanal sorgen. Als der Hauptkanal eine bestimmte Länge hatte und das Moor in der Breite zu weit entfernt lag, war es erforderlich, dass Inwieken angelegt wurden.
Die halbe Breite der Inwieken mussten die Erbpächter entlang ihres Gedehltes (Fehnstelle) graben, schiffbar machen und sauber halten. Die Inwieken mussten eine Breite von 24 Fuß = 7,53 Meter aufweisen.

Die Zählung der Wieken, die südlich vom Hauptkanal abzweigen, beginnt in Rorichmoor und geht dann weiter Richtung Warsingsfehn. Die Zählung der Wieken, die nördlich vom Hautkanal abzweigen, beginnt in Warsingsfehn.


Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. Wieke

von mnd. wîk, „das Weichen, Entweichung“, „ein von einem Hauptcanal seitlich abweichender kleinerer Canal od. überhaupt eine seitliche Ausbucht eines grösseren Tiefes od. Canals, wie sich solche hauptsächlich auf den Fehnen finden.“ – Inwieke: „eine nach innen, bz. ins Land od. Moor hinein gegrabene Wieke od. Neben-Canal, der sich von der Hauptwieke abzweigt.“



Quellen:

Schiller, Karl/Lübben, August, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, Bremen 1875-1880, Bd. 5, S. 710; Doornkaat Koolman, Jan ten, Wörterbuch der ostfriesischen Sprache, Norden 1879 bis 1884, Bd. 3, S. 548; Bd. 2, S. 133


Autor(in):

Badewien, Rita


Letzte Änderung am: 17.02.2017

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