Wester Charlottenpolder (Westermarsch I)

Ausgewählter Flurname:

Wester Charlottenpolder
( Fünf Diemat )

Gemarkung:

Westermarsch I

Erfassungen:

Hannoversche Grundsteuervermessung (ca. 1830),
Befragung (ca. 1980),
Deutsche Grundkarte,
Preußische Grundsteuervermessung (ca. 1870)

Wester Charlottenpolder (Westermarsch I)


Erklärung des Flurnamens:

Wester Charlottenpolder ist 1678 eingedeichtes Land. Seine Größe beträgt 281 Hektar. Der Polder liegt südlich des neuen Süderdeiches und etwa 5,5 km südwestlich von Norden. Er wurde nach der ostfriesischen Fürstin Christine Charlottte (1665-1690) benannt. Das Land wurde auf fünf Höfe verteilt. Einen Hof übergab Fürstin Christine Charlotte ihrem Kanzler Dr. utr. jur. Johann Stamler (1686-1692) frei von Erbpacht und sonstigen Renteigefällen und ernannte ihn zum adlig freien Hof. Adlig frei heißt, die Besitzer dieses Hofes mussten in Freuden- und Trauerfällen Ritterdienste leisten, also mit 1 oder 2 Pferden bei Hof erscheinen, waren dafür aber von bürgerlichen und gemeinen Lasten frei. Ein weiterer Hof, das Wester Charlottenpolder-Grashaus, fiel nach 1744 an Preußen (1).

Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. westen

westlich (von etwas) gelegene Flurstücke



2. Charlotte

w.: franz. Bildg. v. Karl über franz. Charles



3. Polder

nnd. Poller, Polder; 1. "angeschlammtes Marschland, welches ringsum mit einem Deich umgeben ist od. ein vor dem Hauptdeich liegender Strich neu eingedeichten Landes, welcher durch Anschlickung entstand und vor der Eindeichung "heller" heisst"



Quellen:

Schöneboom, A., Filsum. Die Flur und ihre Namen, in: Ostfriesischer Hauskalender oder Hausfreund, 1955, S. 47-53
Raveling, Irma, Die Ostfriesischen Vornamen. Herkunft, Bedeutung und Verbreitung, Aurich 1988, S. 58
Scheuermann, Ulrich, Flurnamenforschung. Bausteine zur Heimat- und Regionalgeschichte, Melle 1995, S. 140; Doornkaat Koolman, Jan ten, Wörterbuch der ostfriesischen Sprache, Norden 1879 bis 1884, Bd. 2, S. 745
(1) Gretje Schreiber, Die Höfe in der Westermarsch, in: Heim und Herd, Beilage Ostfriesischer Kurier 4. Juli 2009, Nr. 6, S. 22 ff.


Autor(in):

Gretje Schreiber


Letzte Änderung am: 28.07.2011

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