Wester Charlottenpolder (Westermarsch I)

Ausgewählter Flurname:

Wester Charlottenpolder
( Grashaus, Domäne Wester Charlottenpolder, Domäne, Königliche Domäne )

Gemarkung:

Westermarsch I

Erfassungen:

Hannoversche Grundsteuervermessung (ca. 1830),
Befragung (ca. 1980),
Deutsche Grundkarte,
Preußische Grundsteuervermessung (ca. 1870)

Wester Charlottenpolder (Westermarsch I)


Erklärung des Flurnamens:

Der Wester Charlottenpolder wurde 1678 von holländischen Unternehmern unter Führung von Anton de Huybert van Crujningen am Norder Außentief am Südrand der Westermarsch eingedeicht. Er wird 1676 (1), 1758 (2) als "Westercharlotten-Polder" (3), 1773 als "Wester Charlotten Polder", 1787 als "Wester-Charlotten-Polder" und 1850 als "Wester Charlotten Polder" (4) urkundlich verzeichnet. Seine Größe beträgt 281 Hektar. Das Land wurde auf fünf Höfe verteilt. Einen Hof übergab Fürstin Christine Charlotte, nach der der Polder benannt worden ist, ihrem Kanzler Dr. utr. jur. Johan Stammler (1686-1692) frei von Erbpacht und sonstigen Renteigefällen und ernannte ihn zum adlig freien Hof. Adlig frei heißt, die Besitzer dieses Hofes mussten in Freunden- und Trauerfällen Ritterdienste leisten, also mit 1 oder 2 Pferden bei Hofe in Aurich erscheinen, waren dafür aber von bürgerlichen und gemeinen Lasten frei. Ein weiterer Hof, das Wester-Charlottenpolder-Grashaus, fiel 1744 an Preußen (5).

Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. Wester

(6) afries. westa, weste, mnd. western, „westlich“; „Western“ und „Westringa“ weisen auf den westlichen Teil einer Gemarkung oder eines Ortes hin.



2. Polder

(7) nnd. Poller, Polder; „angeschlammtes Marschland, welches ringsum mit einem Deich umgeben ist od. ein vor dem Hauptdeich liegender Strich neu eingedeichten Landes, welcher durch Anschlickung entstand und vor der Eindeichung heller heisst“



Quellen:

(1) StAA, Rep. 37, Nr. 446, (2) StAA Rep. 6, Nr. 1733, (3) StAA, Rep. 6, Nr.1039, (4) StAA, Rep. 37, Nr. 175, (5) Gretje Schreiber, Die Höfe in der Westermarsch, in: Heim und Herd (Beilage zu Ostfriesischer Kurier), 2009, Folgen 3 und 6
(6) Schiller, Karl/Lübben, August, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, Bremen 1875-1880, Bd. 5, S. 699; Remmers, Arend, Mittelalterliche Flurnamen in Ostfriesland, Online-Veröffentlichung, Aurich 2011, S. 5, 104
(7) Doornkaat Koolman, Jan ten, Wörterbuch der ostfriesischen Sprache, Norden 1879 bis 1884, Bd. 2, S. 745


Autor(in):

Gretje Schreiber


Letzte Änderung am: 09.07.2017

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