Zuckerpolder (Westermarsch I)

Ausgewählter Flurname:

Zuckerpolder


Gemarkung:

Westermarsch I

Erfassungen:

Befragung (ca. 1980),
Deutsche Grundkarte,
Preußische Grundsteuervermessung (ca. 1870)

Zuckerpolder (Westermarsch I)


Erklärung des Flurnamens:

Der Name des 1774 eingedeichten Polders (15 Hektar) in der Nähe des Gastmarscher Tiefs, geht auf eine Zuckerraffinerie (Zuckerbäckerei) zurück, die hier 1777 errichtet, aber schon 1784 wieder abgebrochen wurde. Weiterhin sollte hier eine Seifensiederei, eine Ziegelei für Dachpfannen und Ziegeln, eine Kalkbrennerei angelegt werden. Der Besitzer Kaufmann Christian David Elter, geboren in Leer, der in Amsterdam wohnte, beabsichtigte, Rohzucker aus Frankreich (Bordeaux) einzuführen und in seiner "Fabrique" zu Kandis zu verarbeiten. Doch in einem gewaltigen Sturm im Jahre 1775 brachen einige neue Polderdeiche, darunter der des Elterschen Polders. Das Kapital zum Bau der Zuckerfabrik musste nun zur Deichreparatur verwendet werden. Doch ein weiterer Sturm 1776 machte wieder alles zunichte. Eine geforderte Investitionshilfe bei S. Königlichen Majestät wurde abgelehnt. Auch eine Abordnung der Krieges-und Domänenkammer, die sich 1777 für die neue Zuckerfabrik einsetzte, konnte die Königliche Regierung nicht beeinflussen. 1778 war Elter zahlungsunfähig geworden und floh wahrscheinlich nach Amsterdam (1). Seit 1854 wurde neben Zuckerpolder auch die Bezeichnung "Ziegelei" für den Polder amtlich. Die Ziegelei wurde 1775 fertig, aber 1784 zum Weiterbetrieb verkauft. Der Zuckerpolder (15 Hektar) liegt direkt am südlich gelegenen Norder Tief westlich von Gastmarschersiel (2).

Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. Polder

nnd. Poller, Polder; "angeschlammtes Marschland, welches ringsum mit einem Deich umgeben ist od. ein vor dem Hauptdeich liegender Strich neu eingedeichten Landes, welcher durch Anschlickung entstand und vor der Eindeichung „heller“ heisst"



Quellen:

Scheuermann, Ulrich, Flurnamenforschung. Bausteine zur Heimat- und Regionalgeschichte, Melle 1995, S. 140
(1) Rolf Uphoff, Das "Zuckerpolder-Projekt", in: Heim und Herd 24. Dezember 1992, Beilage "Ostfriesischer Kurier" Nr. 12, s. 46 ff. Gretje Schreiber, Historische Ortsdatenbank Ostfriesland, Westermarsch I, Manuskript 2010.


Autor(in):

Gretje Schreiber


Letzte Änderung am: 30.07.2011

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