Flachsmeer (Wiesede)

Ausgewählter Flurname:

Flachsmeer
( Flachsmeerstücke, Fakmoor )

Gemarkung:

Wiesede

Erfassungen:

Deutsche Grundkarte

Flachsmeer (Wiesede)


Erklärung des Flurnamens:

Lokalisierung:
Die Flur grenzt an den Karl-Georgs-Forst.
Übersetzung / Bedeutung:
Rottekuhlen für Leinpflanzen.
Geschichtliches:
In vorindustrieller Zeit, als Leinen noch in Haushalten und dörflichen Webereien verarbeitet wurde, Ort für die Rotte der Leinpflanzen. Nach der Rotte ließ sich die Leinfaser herausschälen und konnte zu Garn verarbeitet werden. Das Rotten der Leinpflanzen, ein Fäulnisvorgang, der die Trennung des Bastes (der Fasern) von der Holzschicht und der grünen Außenrinde vorbereitet, erfolgte in Rottekuhlen, meist, wie hier, in beachtlicher Entfernung der Wohnungen, da sich bei dem ca. drei Wochen andauernden Prozess übel riechende Faulgase entwickelten.


Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. Flachs

mnd. vlas, n., „Flachs“



2. Meer

afries. mere, mer, mar, mēr, m., n.‚ „Meer; stehendes Gewässer, Wasserloch“; mnd. mer, „großes Wasser, Meer, mare, offene See; Binnensee“; nnd. mêr, „Meer, hier speciell Land- od. Binnen-See, stehendes Wasser, im Gegensatz zu sê als Weltmeer od. dem fluthenden Wasser“



Quellen:

Schiller, Karl/Lübben, August, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, Bremen 1875-1880, Bd. 5, S. 266
Remmers, Arend, Mittelalterliche Flurnamen in Ostfriesland, Online-Veröffentlichung, Aurich 2011, S. 64; Lasch, A., & Borchling, C., Mittelniederdeutsches Handwörterbuch. Fortgf. v. G. Cordes und D. Möhn, Neumünster 1987, Bd. 2, Teil 1, Sp. 960; Doornkaat Koolman, Jan ten, Wörterbuch der ostfriesischen Sprache, Norden 1879 bis 1884, Bd. 2, S. 592
Waskow, Frank (Hrsg.), Hanf & Co. Die Renaissance der heimischen Faserpflanzen. Göttingen 1996; Byl, Jürgen, Meer und Moor, in: Ostfriesland Magazin, 1989, 11


Autor(in):

Christa Herzog
  


Letzte Änderung am: 02.01.2017

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