Soorgaste (Wiesede)

Ausgewählter Flurname:

Soorgaste
( Suergaste, Surgaste )

Gemarkung:

Wiesede

Erfassungen:

Preußische Grundsteuervermessung (ca.1870)

Soorgaste (Wiesede)


Erklärung des Flurnamens:

Lokalisierung:
Flur auf der Surgaste südlich des Dorfes.
Übersetzung / Bedeutung:
Südliche Anbaufläche / Ackerflur des Dorfes. Auch "saure" Ackerflur.
Wiesede weist zwei dieser alten Gastenbereiche aus: Soorgaste (am Dorf) und Große Gaste (nordöstlich). Dem unregelmäßigen Wallhecken- und Wegeverlauf in der Soorgaste nach zu deuten, gehören diese Fluren mit zu den ältesten in Bearbeitung genommenen landwirtschaftlichen Flächen des Dorfes. Sie blieben von der Flurneuordnung Mitte des 19. Jahrhunderts weitgehend unangetastet. An dem am östlichen Rande der Soorgaste verlaufenden Neddenumsweg ist die s-förmige Ausrichtung der mittelalterlichen Ackerfluren zu erahnen.
Geschichtliches:
Diese Dorfäcker sind z. T. über 1000 Jahre lang die einzigen zum Anbau von Brotgetreide in Kultur genommenen Fluren. Auf der Geest kamen als Siedlungsgebiete seit der Jungsteinzeit nur die mit einfachen Ackergeräten zu bewirtschaftenden sandigen Bodenerhebungen in Frage. Sie ragten als Inseln aus den sumpfigen Niederungsgebieten der eiszeitlichen Schmelzwassertäler heraus und waren oft, wie auch für Wiesede typisch, von weiten Mooren und Heiden umgeben. Die Besiedlung wurde während der Völkerwanderungszeit aufgegeben. Im frühen Mittelalter setzte vielfach an anderer Stelle eine neue Besiedlung ein - in Wiesede von Nord-Wysda (Junkerswarf, Bunjeshusen) zum heutigen Ortskern südlich davon. In dieser Zeit entstanden ein Teil der heutigen Dörfer mit ihren Dorffluren und den stets am Rande liegenden Gasten. Die Gasten gewannen über nachhaltige Plaggenwirtschaft (Humuseintrag) an Höhe. Der auf älteren Flurkarten ersichtliche Besitz der Altbauern bestand aus kleinen und meist s-förmig geschwungenen Parzellen auf den Bodenerhebungen.


Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. Soor

niederd., trocken, dürr, welk, ausgedörrt, unfruchtbar; engl. sear, seer; griech. sausarós, trocken. Hier auch im Sinne von Süd, die südliche, trockene Gaste.



2. Gaste

afries. gast, von güst, gest, trocken, unfruchtbar abzuleiten. Alte Bezeichnung in Ostfriesland für Dorfacker/Anbaufläche.



Quellen:

Camp, Artill. Capitain W., Neue Geographische Spezial Charte von dem Fürstenthum Ostfries- und dem Harlingerland 1802.


Autor(in):

Christa Herzog
  


Letzte Änderung am: 20.04.2009

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