Surgaste (Wiesede)

Ausgewählter Flurname:

Surgaste
( Südergaste, Heidewarf )

Gemarkung:

Wiesede

Erfassungen:

Deutsche Grundkarte,
Preußische Grundsteuervermessung (ca.1870)

Surgaste (Wiesede)


Erklärung des Flurnamens:

Lokalisierung:
Flur auf der Surgaste südlich des Dorfes im Bereich B 436 / Philosophenweg.
Übersetzung / Bedeutung:
Südliche Gaste: die südliche Anbaufläche / Ackerflur des Dorfes. Auch "saure" Ackerflur.
Wiesede weist zwei dieser alten Gastenbereiche aus: Surgaste (am Dorf) und Große Gaste (nordöstlich). Dem unregelmäßigen Wallhecken- und Wegeverlauf in der Surgaste nach zu deuten, gehören diese Fluren mit zu den ältesten in Bearbeitung genommenen landwirtschaftlichen Flächen des Dorfes. Sie blieben von der Flurneuordnung Mitte des 19. Jahrhunderts weitgehend unangetastet. An dem am östlichen Rande der Surgaste verlaufenden Neddenumsweg ist die s-förmige Ausrichtung der mittelalterlichen Ackerfluren zu erahnen.
Geschichtliches:
Diese Dorfäcker sind z. T. über 1000 Jahre lang die einzigen zum Anbau von Brotgetreide in Kultur genommenen Fluren. Auf der Geest kamen als Siedlungsgebiete seit der Jungsteinzeit nur die mit einfachen Ackergeräten zu bewirtschaftenden sandigen Bodenerhebungen in Frage. Sie ragten als Inseln aus den sumpfigen Niederungsgebieten der eiszeitlichen Schmelzwassertäler heraus und waren oft, wie auch für Wiesede typisch, von weiten Mooren und Heiden umgeben. Die Besiedlung wurde während der Völkerwanderungszeit aufgegeben. Im frühen Mittelalter setzte vielfach an anderer Stelle eine neue Besiedlung ein - in Wiesede von Nord-Wysda (Junkerswarf, Bunjeshusen) zum heutigen Ortskern südlich davon. In dieser Zeit entstanden ein Teil der heutigen Dörfer mit ihren Dorffluren und den stets am Rande liegenden Gasten. Die Gasten gewannen über nachhaltige Plaggenwirtschaft (Humuseintrag) an Höhe. Der auf älteren Flurkarten ersichtliche Besitz der Altbauern bestand aus kleinen und meist s-förmig geschwungenen Parzellen auf den Bodenerhebungen.


Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. Sur

1. mnd. sûr, „contrah. aus suder“; mnd. suder, „adj. südlich“ 2. mnd. sûr, nnd. suur, „sauer“. – „Hinweis auf „sauren" Boden oder auf „sauren“ Pflanzenwuchs (auf Feuchtwiesen).“



2. Gaste

afries. gāst, gēst f., „Geest“; mnd. gêst, gast, f., „das hohe trockene Land im Gegensatz zu den Marschniederungen“. – „Oft in Namen für den Altacker eines Dorfes."



Quellen:

Schiller, Karl/Lübben, August, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, Bremen 1875-1880, Bd. 4, S. 460, 477; Scheuermann, Ulrich, Flurnamenforschung. Bausteine zur Heimat- und Regionalgeschichte, Melle 1995, S. 149
Schiller, Karl/Lübben, August, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, Bremen 1875-1880, Bd. 2, S. 83; Remmers, Arend, Mittelalterliche Flurnamen in Ostfriesland, Online-Veröffentlichung, Aurich 2011, S. 26; Scheuermann, Ulrich, Flurnamenforschung. Bausteine zur Heimat- und Regionalgeschichte, Melle 1995, S. 120
Camp, Artill. Capitain W., Neue Geographische Spezial Charte von dem Fürstenthum Ostfries- und dem Harlingerland 1802


Autor(in):

Christa Herzog
  


Letzte Änderung am: 26.10.2017

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