Warfkamp (Wiesede)

Ausgewählter Flurname:

Warfkamp


Gemarkung:

Wiesede

Erfassungen:

Hannoversche Grundsteuervermessung (ca.1830)

Warfkamp (Wiesede)


Erklärung des Flurnamens:

Lokalisierung:
Flur im Westen vom Ortskern von Wiesede.
Übersetzung / Bedeutung:
Warf: (erhöhter) Wohnplatz. Kamp: eingehegte landwirtschaftlicher Fläche.
Auf dieser Flur stand nach Überlieferungen das Haus eines Jägers. Über ein Jägerhaus (1712) berichtet Sebastian E. Jhering (Amtsbeschreibung): "Zur Verwaltung der fürstlichen Holzungen in Hopels, Wiesede, Stroth und Rispel sowie zur Beaufsichtigung der Jagd bestellte der Fürst einen Amtsjäger mit dem Wohnsitz in Wiesede".
Geschichtliches:
Mit Kamp werden die nach ca. 1000 n. Chr. urbar gemachten Ländereien bezeichnet, die im mehrjährigen Wechsel als Weide oder Acker genutzt wurden. Auf der Geest mit einer Wallhecke umgrenzt, um die Feldfrucht vor dem in der Gemeindeflur weidenden Vieh zu schützen. Die Bezeichnung Kamp weist auf die mittelalterliche Flurverfassung hin, mit Ackerflur (Gaste/Kamp) und Feld-, Flur- und Waldgemeinschaften (Allmende).


Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. Warf

mnd. wurt, wort, f. „urspr. wohl jede (natürliche od. künstliche) Erhöhung, die Sicherheit und Schutz gegen aufsteigendes Waßer gewähren soll; [...]; dann bes. die Stätte für (landwirthschaftliche) Gebäude oder Platz zum Hausbau; überh. jede Hofstätte, bes. eine eingezäunte, sie sei bebaut od. nicht, deren es mehrere bei einem Gute geben kann.“; nnd. warf, „a. ein als Wohn- od. Hausstätte benutzter, meist künstlich geschaffener od. doch später nach Bedürfniss erhöhter Hügel od. eine Anhöhe in der Marsch od. in der Nähe des Meeres, worauf ein Haus od. ein Dorf zur Sicherheit gegen Sturmfluten u. Ueberströmungen erbaut ist“, „b. ein auf einem warf erbautes Haus od. ein kleiner Bauernhof, als ländliche Besitzung u. ländlicher Betrieb“, „c. die erhöhte Haus- od. Hofstätte od. der Hofplatz überhaupt u. so auch der erhöhte Platz od. Hof-Raum innerhalb od. ausserhalb eines Hauses, meist eingefriedigt u. gepflastert“, „d. der (meist erhöhte u. eingefriedigte) Raum od. Platz, worauf eine Mühle steht [...] od. Platz, worauf Kalk aus Muscheln etc. gebrannt wird“



2. Kamp

mnd. kamp, m., „Landstück, insbes. eingefriedigtes Stück Landes, Weide- oder Ackerland, auch gehegtes Waldstück, [...] im allg. als Privatbesitz, [...] Feldstück von bestimmter, doch nicht festgelegter Größe“; nnd. Kamp, m., „ein mit einer Hecke oder mit einem Graben eingehegtes Stück Land, gleich viel, ob es Ackerland, oder Wiese, oder Waldbestand ist“



Quellen:

Schiller, Karl/Lübben, August, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, Bremen 1875-1880, Bd. 5, S. 790; Doornkaat Koolman, Jan ten, Wörterbuch der ostfriesischen Sprache, Norden 1879 bis 1884, Bd. 3, S. 513
Scheuermann, Ulrich, Flurnamenforschung. Bausteine zur Heimat- und Regionalgeschichte, Melle 1995, S. 129
Jhering, Sebastian Eberhard, Historische Beschreibung des Amtes Friedeburg nach deren Gräntzen, Kirchen, dazugehörigen Dörfern, 1730, NLAA Dep. 1. MSC, Nr. 97


Autor(in):

Christa Herzog
  


Letzte Änderung am: 10.12.2017

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