Ziegelei Warf (Wiesede)

Ausgewählter Flurname:

Ziegelei Warf
( Tichelee, Ziegelei-Warf )

Gemarkung:

Wiesede

Erfassungen:

Hannoversche Grundsteuervermessung (ca.1830)

Ziegelei Warf (Wiesede)


Erklärung des Flurnamens:

Lokalisierung:
Wiesede, westlich nahe dem Ortskern.
Übersetzung / Bedeutung:
Warf: (erhöhter) Wohn-, Gewerbeplatz am Steinwerk
Erster Beleg als gräfliche Ziegelei 1602. Im Jahre 1760 übernahm der letzte Verwalter Hinrich Hinrichs, Wiesede, die Ziegelei in Erbpacht, 1770 die Familie Jhering, Wittmund. In 1777 Übernahme durch Gerd Janßen, Gastwirt zu Marx, 1800/1815 an die Brüder Joachim und Gerd Renken.
Die Ziegelei geht im Jahre 1861 durch Kapitalablösung in Privateigentum. 1874 in Eigentum von Greiff und Genossen. 1878 von Hand- zu Dampfbetrieb modernisiert. 1903 Besitzer Peters/Schwarting/Eilers. 1945 Ringofen in den letzten Kriegstagen durch Feuer zerstört. Hierinnen waren u.a. Akten der Stadt Wilhelmshaven ausgelagert. Letzte Eigentümer: Peters u. Comp. 1964 wurde die Ziegelei stillgelegt, 1967 teilweise abgebrochen. Reste des Gebäudekomplexes sind in 2006 noch vorhanden.
Geschichtliches:
Die Anfänge der Wieseder Ziegelei liegen im Dunkeln. Vermutlich um 1540 von Häuptlingen der Friedeburg, dem Kloster Hopels oder dem Stift Reepsholt gegründet, da ergiebige Vorkommen von Geschiebelehm als glaziales Sediment sowie Torf als Brennmaterial in der Umgebung vorhanden waren. Mit mittelalterlichen Rechten (z. B. für Torflieferungen) ausgestattet. Lieferpflichtige Gemeinden: Reepsholt, Abickhafe, Dose, Hoheesche, Rispel, Marx, Etzel, Horsten.


Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. Warf

mnd. wurt, wort, f. „urspr. wohl jede (natürliche od. künstliche) Erhöhung, die Sicherheit und Schutz gegen aufsteigendes Waßer gewähren soll; [...]; dann bes. die Stätte für (landwirthschaftliche) Gebäude oder Platz zum Hausbau; überh. jede Hofstätte, bes. eine eingezäunte, sie sei bebaut od. nicht, deren es mehrere bei einem Gute geben kann.“; nnd. warf, „a. ein als Wohn- od. Hausstätte benutzter, meist künstlich geschaffener od. doch später nach Bedürfniss erhöhter Hügel od. eine Anhöhe in der Marsch od. in der Nähe des Meeres, worauf ein Haus od. ein Dorf zur Sicherheit gegen Sturmfluten u. Ueberströmungen erbaut ist“, „b. ein auf einem warf erbautes Haus od. ein kleiner Bauernhof, als ländliche Besitzung u. ländlicher Betrieb“, „c. die erhöhte Haus- od. Hofstätte od. der Hofplatz überhaupt u. so auch der erhöhte Platz od. Hof-Raum innerhalb od. ausserhalb eines Hauses, meist eingefriedigt u. gepflastert“, „d. der (meist erhöhte u. eingefriedigte) Raum od. Platz, worauf eine Mühle steht [...] od. Platz, worauf Kalk aus Muscheln etc. gebrannt wird“



Quellen:

Schiller, Karl/Lübben, August, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, Bremen 1875-1880, Bd. 5, S. 790; Doornkaat Koolman, Jan ten, Wörterbuch der ostfriesischen Sprache, Norden 1879 bis 1884, Bd. 3, S. 513
Weßels, Paul, Fünfhundert Jahre ostfriesische Ziegeleitradition - das Ziegelwerk in Wiesede, in: Harlinger Heimatkalender 2001, S. 73-92


Autor(in):

Christa Herzog
  


Letzte Änderung am: 14.12.2017

Projektpartner