Störtebekertief (Wirdum)

Ausgewählter Flurname:

Störtebekertief


Gemarkung:

Wirdum

Erfassungen:

Deutsche Grundkarte

Störtebekertief (Wirdum)


Erklärung des Flurnamens:

Das Störtebekertief ist der Rest einer früheren Meeresbucht. Diese Einbuchtung der Nordsee erreichte im 14. Jahrhundert durch eine Reihe verheerender Sturmfluten ihre größte Ausdehnung. Insbesondere die 2. Marcellusflut am 16. Jan. 1362 sowie die beiden Dionysiusfluten am 9. Okt. 1373 und 15./16. Nov. 1377 führten zu erheblichen Landverlusten, so dass ein bis nach Marienhafe reichender Einschnitt entstand. Der Einschnitt war so breit und tief, dass Marienhafe von der Nordsee aus mit Schiffen erreichbar war. In der Nähe der Kirche, unmittelbar an der 1557 abgebrochenen den Ortskern umgebenden Mauer, entstand ein kleiner Hafen. Sowohl der Meereseinschnitt als auch der Hafen trugen seinerzeit wesentlich zur Belebung des Handels im Brookmerland bei. Die günstige Lage des Hafens wussten aber auch die Seeräuber zu nutzen, die Ende des 14. Jahrhunderts aus der Ostsee vertrieben worden waren. Hierher konnten ihnen die ausgeraubten Hanseaten mit ihren größeren Koggen nicht folgen.
Der Meereseinbruch verlandete allerdings schnell wieder, so dass noch im 15. Jahrhundert im Bereich der Höfe Alt-Wykhof und Degenfeld ein Deich gezogen wurde. Damit war auch die Ära von Marienhafe als Hafenort zu Ende.
An die Zeiten der Seeräuber, die sich auch „Liekedeler“ (Gleichteiler) nannten, und deren berühmt-berüchtigten Anführer Störtebeker erinnern aber bis heute noch der mächtige Turm der Marienkirche, der seit Jahrhunderten „Störtebekerturm“ genannt wird, und auch das von dem historischen Meereseinbruch übrig gebliebene „Störtebekertief“. - Der Verlauf des Störtebekertiefs ist übrigens oben vom Störtebekerturm aus gut zu erkennen.


Erklärung der im Flurnamen enthaltenen Teilbegriffe:


1. Störtebeker

Störtebeker war ein berühmt-berüchtigter Anführer einer Gruppe von Seeräubern, die sich auch Vitalienbrüder oder Liekedeler nannten, und die um 1400 in Marienhafe Unterschlupf gesucht und gefunden haben.



2. Tief

Hauptentwässerungsgraben, Kanal, kleiner Fluss.



Quellen:

Bents, Harm; Störtebeker - Dichtung und Wahrheit, Norden 2003, Teil 2, S. 60 ff. sowie Flurnamen in Upgant-Schott und Siegelsum, in: Chronik der Gemeinde Upgant-Schott mit Siegelsum, Norden 2009, S. 698.


Autor(in):

Harm Bents


Letzte Änderung am: 04.08.2011

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